Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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116 David Kopperfield.

Athem iſt. Hier hat ſich für alle Zeit die arme Schön⸗ heit niedergelaſſen, eine Wittwe mit einem kleinen Mäd⸗ chen; hier bei Tiſche zu Sophiens Geburtstage ſind die drei verheiratheten Mädchen mit ihren drei Männern und einem Bruder des einen Mannes und dem Vetter des andern Mannes, und eines dritten Mannes Schwe⸗ ſter, die mir mit dem Vetter verlobt zu ſein ſcheint.

Traddles, derſelbe einfache ungezwungene Burſche, der er allezeit war, ſitzt am Ende des Tiſches wie ein Erz⸗ vater, und Sophie ſtrahlt auf ihn vom oberſten Sitze über eine Tiſchfläche weg, die mit funkelnden Geräthen bedeckt i*ſt, welche ſicherlich nicht von Britannia⸗Metall ſind.

Und jetzt, wo ich meinen Wunſch, noch weiter dabei zu verharren, unterdrückend, meine Aufgabe beſchließe, ſchwinden dieſe Geſichter hinweg. Aber ein Antlitz, das gleich einem himmliſchen Lichte auf mich ſtrahlt, bei dem ich alle die andern Gegenſtände ſehe, iſt über ihnen und geht mir über ſie alle. Und dieſes bleibt zurück.

Ich wende mein Haupt und ſehe es in ſeiner heiteren Schöne neben mir. Meine Lampe brennt düſter, und ich habe tief in die Nacht hineingeſchrieben, aber das theure Weſen, ohne welches ich nichts wäre, leiſtet mir Geſellſchaft.

Oh Agnes, oh meine Seele, ſo möge Dein Antlitz bei mir ſein, wenn ich dereinſt in Wahrheit mein Leben ſchließe; ſo möge ich Dich, wenn die wirklichen Dinge und Perſonen vor mir zergehen wie jetzt die Schatten⸗ gebilde, die ich nun von mir entlaſſe, Dich noch neben mir finden nach droben zeigend!

Ende.

Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.