Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperſield. 97

Da dies den Kindern geheimnißvoll klang und au⸗ ßerdem dem Anfange einer Lieblingsgeſchichte glich, die Agnes ihnen zu erzählen pflegte, wo eine böſe alte Fee in einem Mantel eintrat, welche Jedermann haßte, ſo rief es einige Aengſtlichkeit hervor. Einer unſerer Kna⸗ ben legte ſeinen Kopf in den Schooß ſeiner Mutter, um ſicher vor Unheil zu ſein, und die kleine Agnes (unſer älteſtes Kind) ließ ihre Puppe in ihrem Stuhle, um an ihrer Statt zu figuriren, und ſteckte ihr Köpf⸗ chen voll goldner Locken zwiſchen den Fenſtervorhängen hervor, um zu ſehen, was zunächſt paſſirte.

Heißen Sie ihn hier hereinkommen, ſagte ich.

Bald darauf erſchien, in dem dunkeln Vorhauſe, als er eintrat, ſtillſtehend, ein hagerer, grauköpfiger alter Mann. Die kleine Agnes, angelockt von ſeinem Geſichtsausdruck, war auf ihn zugelaufen, um ihn herein⸗ zubringen; und ich hatte ſein Geſicht noch nicht deutlich geſehen, als meine Frau auffuhr und mir mit freudig aufgeregter Stimme zurief, daß es Mr. Peggotty ſei.

Es war Mr. Peggotty. Ein alter Mann jetzt, aber in einem rothwangigen, tüchtigen, kräftigen Alter. Als unſere erſte freudige Aufregung vorüber war und er am Feuer ſaß, die Kinder auf ſeinen Knieen, und die Gluth auf ſein Geſicht ſchien, erſchien er mir ſo kraftvoll und robuſt und überhaupt ſo ſchön, als ich je einen alten Mann geſehen hatte.

Musje Davchen, ſagte er, und der alte Name in dem alten Tone geſprochen ſiel mir ſo natürlich ins Ohr,Musje Davchen,'s iſt'ne frohe Stunde, daß ich Sie noch einmal zu ſehen kriege, und mit Ihrem guten treuen Weibe zur Seite!

Ja wahrlich eine frohe Stunde, alter Freund! rief ich.

David Kopperfield. X. 7