David Kopperfield. 91
„Als ich ſie liebte— ſo würde meine Liebe mich ſelbſt dann nicht vollkommen glücklich gemacht haben, ohne Deine Theilnahme. Ich erfreute mich dieſer Theil⸗ nahme, und mein Glück ward vollkommen. Und als ich ſie verlor, Agnes, was würde ich ohne Dich noch jetzt ſein!“—
Und nun verſuchte ich ihr den Kampf zu ſchildern, den ich durchgemacht, und den Entſchluß, zu dem ich ge⸗ kommen. Ich verſuchte es, ihr mein Herz vor Augen zu legen, getreulich und ganz. Ich verſuchte, ihr zu zeigen, wie ich gehofft, ich ſei zu einer beſſern Erkennt⸗ niß meiner Selbſt und ihrer gelangt; wie ich mich dem unterzogen, was jene beſſere Erkenntniß mit ſich geführt habe, und wie ich in meiner Treue eben erſt dieſen Tag hierauf gekommen ſei. Wenn ſie mich ſo liebe(ſagte ich), daß ſie mich zu ihrem Gatten nehmen könnte, ſo könnte ſie das thun nicht meines Verdienſtes halber, ausgenommen die treue Liebe, die ich zu ihr hegte, und der Schmerz, in welchem dieſe zu dem gereift, was ſie wäre, und dies ſei die Urſache, weshalb ich es offen⸗ bare. Und, oh Angnes, ſelbſt aus Deinen treuen Au⸗ gen ſchaute in dieſer ſelben Zeit der Geiſt meines kin⸗ diſchen Weibchens auf mich herab und ſagte, ſo ſei es recht, und gewann mir durch Dich die zärtlichſten Erin⸗ nerungen an das Blümchen ab, welches in ſeiner Blüthe verwelkt war.
„Ich bin ſo glücklich, Trotwood— mein Herz iſt ſo übervoll— aber ich habe noch etwas auf dem Her⸗ zen, was ich ſagen muß.“
„Was denn, Theuerſte?“
Sie legte ihre weichen, zarten Hände auf meine Schul⸗ tern und ſah mir ruhig ins Geſicht.
„Weißt Du ſchon, was es iſt?“


