Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 83

ſich geltend gemacht, was ich keinen Zwang und auch kein Vermeiden des Gegenſtandes, ſondern mehr ein ſtillſcweigendes Verſtehen, daß wir Beide daran dach⸗ ten, aber unſere Gedanken nicht in Worte kleideten, nennen kann. Wenn wir nach unſerer alten Gewohn⸗ heit des Abends vor dem Feuer ſaßen, verfielen wir oft in dieſen Gedankengang und zwar ſo natürlich und ſo bewußt, daß wir Beide daſſelbe dächten, als ob wir es ohne Rückhalt ausſprächen. Aber wir bewahrten ein ununterbrochenes Stillſchweigen. Ich glaubte, daß ſie meine Gedanken jenen Abend geleſen oder doch zum Theil geleſen habe, und daß ſie vollkommen begriffe, wes⸗ halb ich den meinen keinen deutlicheren Ausdruck gäbe.

Als dieſe Weihnachtszeit herangekommen war und

Agnes mir nichts Neues anvertraut hatte, fing ein Zweifel— ob ſie wohl jene Einſicht in den wahren Zuſtand meines Herzens haben könnte, der ſie aus Furcht, mir Schmerz zu machen, abhielte— mir ſchwer auf der Seele zu laſten an. Wenn das ſo war, ſo war mein Opfer nichts, meine einfachſte Verpflichtung gegen ſie unerfüllt, und ich beging ſtündlich jedwede Hand⸗ lung, vor der ich zurückgeſchrocken war. Ich beſchloß dies über allen Zweifel zu ordnen— wenn ſolch eine Schranke zwiſchen uns exiſtirte, ſie mit entſchloſſener Hand niederzubrechen.

Es war— o, welchen bleibenden Grund habe ich, mich deſſen zu erinnern!— ein kalter rauher Winter⸗ tag. Es war einige Stunden vorher Schnee gefallen, und er lag nicht tief, aber hart gefroren auf dem Bo⸗ den. Draußen auf der See vor meinem Fenſter blies der Wind ungeſtüm von Norden her. Ich hatte daran gedacht und war über jene ungeheuren öden Schnee⸗ berge in der Schweiz, die jetzt keinem menſchlichen Fuße

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