Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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82 David Kopperfield.

Oder wenn ich ſagen wollte, daß ich vielmehr den Echos jener Gedanken lauſchte, würde ich die Wahrheit beſſer ausdrücken. Sie ſprachen zu mir aus der Ferne. Ich hatte ſie in eine Entfernung verpflanzt und meinen unausweichlichen Platz eingenommen. Wenn ich Agnes vorlas, was ich ſchrieb, wenn ich ihr lauſchendes Ge⸗ ſicht ſah, ſie zum Lächeln oder zu Thränen bewegte und ihre herzliche Stimme ſo ernſthaft über die ſchatten⸗ haften Ereigniſſe der eingebildeten Welt ſprechen hörte, in der ich lebte, dachte ich, was für ein Loos das meine hätte ſein können— dachte aber nur in der Weiſe daran, wie ich nach meiner Verheirathung mit Dora gedacht hatte, von welcher Art ich mir meine Frau wünſchen könnte.

Mein Pflichtgefühl gegen Agnes, die mich mit einer Liebe umfaßte, welche ich, wenn ich ſie in Unruhe ver⸗ wandelte, höchſt ſelbſtſüchtig und übel behandelte und nie wieder herſtellen konnte; meine gereifte Ueberzeugung, daß ich, der ich mir mein eignes Schickſal zugezogen und der ich gewonnen hatte, worauf ich ſo haſtig meinen Sinn geſtellt, kein Recht zu murren hätte, ſondern dulden müſſe, begriff in ſich, was ich fühlte und was ich ge⸗ lernt hatte. Aber ich liebte ſie, und jetzt ward es mir ſogar ein Troſt, unbeſtimmt einen Tag in der Ferne leuchten zu ſehen, wo ich, ohne Tadel auf mich zu laden, es geſtehen könnte; wo alles Dies vorüber ſein, wo ich im Stande ſein würde zu ſagen:„Agnes, ſo war es, als ich heimkam, und nun bin ich alt, und nie ſeitdem habe ich geliebt!“

Sie zeigte mir auch nicht ein einziges Mal eine Veränderung in ſich ſelbſt. Was ſie ſtets gegen mich geweſen, war ſie noch— völlig unverändert.

Zwiſchen meiner Tante und mir hatte in dieſer Beziehung ſeit der Nacht meiner Rückkehr ein Etwas