70 David Kopperfield. Blasphemie gegen das Syſtem geweſen wäre, ſolch einen Zweifel damals anzudeuten, ſo ſah ich mich ſo fleißig, als ich nur konnte, nach der Reue und Buße um.
Und auch hier wieder ſtieß ich auf ſchwere Ver⸗ dachtsgründe. Ich fand in der Art des Bußethuns eine ebenſo hervorſtechende Mode, wie ich ſie draußen an den Formen der Röcke und Weſten in den Ladenfen⸗ ſtern der Schneider verlaſſen hatte. Ich fand eine un⸗ geheure Menge von Sündenbekenntniſſen, die ſich in ihren Charakterzügen ſehr wenig unterſchieden und(was mir über die Maßen verdächtig vorkam) ſelbſt in den Worten große Aehnlichkeit hatten. Ich fand eine große Menge Füchſe, welche ganze Weinberge voll unerreich⸗ barer Trauben nicht zu mögen vorgaben, aber ich fand nur ſehr wenige Füchſe, denen ich getraut hätte, wenn ich mir ſie im Bereich eines Büſchels Trauben dachte. Vor Allem aber fand ich, daß die Leute, welche ihr Bekenntniß am offenſten ablegten, die Gegenſtände der größten Theilnahme waren, und daß ihr Hochmuth, ihre Eitelkeit, ihr Mangel an Begeiſterung für irgend etwas, und ihre Luſt am Betrug(welche viele von ihnen in einer ſchier unglaublichen Ausdehnung beſaßen, wie ihre Geſchichten zeigten) alle zu dieſen Sünden⸗ bekenntniſſen paßten und ihnen alle zu Gute gerechnet wurden.
Indeſſen hörte ich zu ſo oft wiederholten Malen im Laufe unſeres Ab⸗ und Zugehens von einer gewiſſen Nummer Siebenundzwanzig reden, welche der Liebling war und wirklich ein Muſtergefangener zu ſein ſchien, daß ich mich entſchloß, mein Urtheil aufzuſchieben, bis ich Nummer Siebenundzwanzig geſehen habe. Achtund⸗ zwanzig, vernahm ich, war ebenfalls ein ganz beſon⸗ ders heller Stern, aber es war ſein Mißgeſchick, daß


