68 David Kopperfield.
war ſie conſtruirt, wurden wir unſerm ehemaligen Schul⸗ meiſter vorgeſtellt, welcher zu einer Gruppe, beſtehend aus zwei oder drei der geſchäftigeren Magiſtratsperſo⸗ nen und einigen Beſuchern, die ſie mit ſich gebracht, gehörte. Er empfing mich wie ein Mann, der in ver⸗ gangenen Jahren mein Gemüth gebildet und mich alle⸗ zeit zärtlich geliebt hatte. Als ich Traddles vorſtellte, drückte Mr. Creakle in ähnlicher Weiſe, obwohl in ge⸗ ringerem Grade ſich dahin aus, daß er ſtets der Füh⸗ rer, der Lehrer der Lebensweisheit und der Freund von Traddles geweſen ſei. Unſer verehrungswürdiger Lehrer war um Vieles älter, und ſein Aeußeres hatte ſich nicht zu ſeinen Gunſten verändert. Sein Geſicht war ſo fuchs⸗ feuerroth wie immer, ſeine Augen ſo klein und noch tiefer liegend. Das dünne, naß ausſehende graue Haar, mit dem ich mich ſeiner erinnerte, war faſt ganz weg, und die dicken Adern auf ſeinem kahlen Schädel ſahen ſich darum nicht angenehmer an.
Nach einer Unterhaltung unter dieſen Herren, nach der ich hätte vermuthen ſollen, daß man ſein Augen⸗ merk von Rechtswegen auf nichts in der Welt richten ſollte, als auf das größte, mit allen möglichen Koſten zu beſchaffende Wohlbefinden von Gefangenen, und daß nichts auf der weiten Erde zu thun ſei außerhalb der Gefängnißthüren, begannen wir unſere Beſichtigung. Da es gerade Eſſenszeit war, ſo gingen wir zuerſt in die große Küche, wo man eben daran war, mit der Re⸗ gelmäßigkeit und Genauigkeit eines Uhrwerks das Mit⸗ tagsmahl jedes Gefangenen abgeſondert hinzuſtellen, um ihm in ſeine Zelle gereicht zu werden. Ich ſagte zu Traddles beiſeit, daß ich mich wunderte, ob es wohl Jemandem eingefallen wäre, daß ein ſchreiender Wider⸗
ſpruch zwiſchen dieſen überreichlichen Mahlzeiten von aus⸗


