Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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58 David Kopperfield. dem ich neben Dir ſaß in unſerer unerfahrenen Schul⸗ zeit?“

„Du wußteſt, ich hatte keine Mutter,“ erwiederte ſie lächelnd,„und warſt mir deshalb freundlich zuge⸗ than.“

„Mehr als das, Agnes. Ich wußte, faſt als ob ich dieſe Geſchichte gekannt hätte, daß es eine unerklär⸗ liche Sanftmuth und Milde gab, die Dich umfloß; ein Etwas, welches an einem Andern vielleicht wie Trau⸗ rigkeit hätte erſcheinen können(was es, wie ich jetzt begreife, auch in der That war), aber nicht ſo an Dir erſchien.“

Sie ſpielte leiſe weiter, indem ſie mich noch immer anblickte.

„Wirſt Du lachen, daß ich ſolchen Träumen nach⸗ hänge, Agnes?“

„Nein.“

„Oder wenn ich Dir ſage, daß ich wirklich glaube, ich fühlte ſchon damals, Du könnteſt trotz aller entmu⸗ thigenden Verhältniſſe treue Liebe fühlen und bis zum Tode nicht aufhören, ſo zu ſein?— Wirſt Du über ſolch einen Traum lachen?“

„Oh nein! Oh nein!“

Für einen Augenblick ging ein wehmüthiger Schat⸗ ten über ihr Geſicht, aber ſchon während des Stoßes, den dies mir gab, war er verſchwunden, und ſie ſpielte weiter und ſah mich an mit dem ihr eignen ruhig mil⸗ den Lächeln.

Als ich zurück ritt in der einſamen Nacht und der Wind an mir vorüberging wie ein ruheloſes Gedächt⸗ niß, dachte ich daran und fürchtete, ſie ſei nicht glück⸗ lich. Ich meinestheils war nicht glücklich, aber inſofern hatte ich, getreu meinem Entſchluſſe, mein Siegel auf die