David Kopperfield. 57
„Oh Trotwood,“ entgegnete ſie mit thränenerfüll⸗ ten Augen.„So liebreich, ſo offenherzig und ſo jung! Kann ich das je vergeſſen?“
„Wie Du damals warſt, meine Schweſter, ſo, hab' ich ſeither oft gedacht, biſt Du immer gegen mich ge⸗ weſen. Immer gen Himmel zeigend, immer mich zu etwas Beſſerem führend, immer mich zu höheren Din⸗ gen leitend.“
Sie ſchüttelte blos ihr Haupt, durch ihre Thränen ſah ich daſſelbe traurige Lächeln von vorhin.
„Und ich bin Dir dafür ſo dankbar, Agnes, und ſo verpflichtet, daß es keinen Namen für die Liebe giebt, die mein Herz für Dich fühlt. Ich möchte, daß Du wüßteſt, weiß aber nicht, wie ich Dir's ſagen ſoll, daß ich mein ganzes Leben lang zu Dir emporſchauen und von Dir geleitet ſein will, wie ich von Dir geleitet wurde durch die Dunkelheit, welche vorüber iſt. Was auch geſchehen mag, was für Veränderungen ſich auch zwiſchen uns ereignen mögen, immer werde ich auf Dich ſehen und Dich lieben, wie ich Dich jetzt liebe und ſtets geliebt habe. Du wirſt allezeit mein Troſt und meine Zuflucht ſein, wie Du das ſtets geweſen biſt. Bis ich ſterbe, meine theuerſte Schweſter, werde ich Dich ſtets vor mir ſehen, gen Himmel zeigend.“
Sie legte ihre Hand in die meine und ſagte mir, ſie ſei ſtolz auf mich und auf das, was ich geſagt habe, obſchon ich ſie weit über ihren Werth gelobt habe. Dann fuhr ſie fort, leiſe zu ſpielen, aber ohne ihre Augen von mir zu entfernen.
„Weißt Du wohl, Agnes,“ ſagte ich,„daß das, was ich heute Abend gehört habe, ſonderbarer Weiſe ein Theil des Gefühls zu ſein ſcheint, mit dem ich Dich betrachtete, als ich Dich zum erſten Male ſah— mit


