Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 49

der mit Nachrichten von einem entfernten Freunde käme, ihr ſeine Aufwartung zu machen wünſche, und ich wurde die ehrwürdige alte Treppe hinaufgewieſen(wobei man mich vor den Stufen warnte, die ich ſo gut kannte) in das Empfangszimmer, welches ſich nicht verändert hatte. Die Bücher, die ich und Agnes zuſammen ge⸗ leſen hatten, befanden ſich auf ihren Simſen, und das Pult, an dem ich ſo manche Nacht an meinen Aufga⸗ ben gearbeitet hatte, ſtand noch an derſelben alten Ecke des Tiſches. Alle die kleinen Veränderungen, die ſich eingeſchlichen hatten, als die Heeps dort waren, waren wieder abgeändert worden. Aber nur, wie es in der glücklichen Zeit geweſen war.

Ich ſtand in einem Fenſter und ſah über die alter⸗ thümliche Straße hinüber auf die gegenüberliegenden Häuſer, mir ins Gedächtniß zurückrufend, wie ich ſie an regneriſchen Nachmittagen beobachtet hatte, als ich zuerſt dorthin kam; und wie ich über die Leute nachzu⸗ grübeln gepflegt, welche an einem der Fenſter erſchie⸗ nen, und ihnen mit meinen Augen Treppe auf, Treppe ab gefolgt war, während Frauen mit Regenſchuhen klappernd über das Pflaſter ſchritten und der düſtere Regen in ſchiefen Strichen herabfiel und aus dem Drachen⸗ maule der Dachrinne goß und in die Straße ſtrömte. Die Empfindung, mit welcher ich die Landſtreicher beobach⸗ tet, wenn ſie an dieſen regneriſchen Abenden um die Dämmerung in die Stadt kamen und, ihre Bündel an den Enden von Stöͤcken über die Schulter gehängt, vor⸗ beihinkten, kam von neuem über mich, gemiſcht wie damals mit dem Geruche feuchten Erdbodens und naſſer Blätter und Stauden, ja mit dem Gefühle, als ob mich ſogar die Lüfte anwehten, welche mich bei jener meiner mühſeligen Wanderung angeweht hatten.

David Kopperſield. X. 4