Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

David Kopperfield. 45

ward wie gewöhnlich nicht vergeſſen. Meine Tante be⸗ richtete mir, wie er ſich unabläſſig damit beſchäftigt habe, alles Moͤgliche abzuſchreiben, deſſen er nur hab⸗ haft werden konnte, und wie er den Koͤnig Karl bei dieſer ſcheinbaren Beſchäftigung ſtets in achtungsvoller Entfernung gehalten habe; ferner, wie es eine der größ⸗ ten Freuden und Belohnungen ihres Lebens ſei, daß er ſich frei und glücklich befinde, ſtatt von düſterem Zwange umgeben dahinzuſchmachten; endlich, wie(für⸗ wahr ein neuer großer Schluß) Niemand als ſie je in voller Ausdehnung zu erkennen im Stande ſei, was für ein Mann er ſei.

„Und nun, Trot,“ ſagte meine Tante, indem ſie mich freundlich auf die Rückſeite meiner Hand klopfte, während wir in unſerer alten Weiſe vor dem Feuer ſaßen,„wann gehſt Du hinüber nach Canterbury?“

„Ich werde ein Pferd miethen und morgen früh hinüberreiten, Tante, ausgenommen, Du wollteſt mit mir gehen.“

„Nein,“ verſetzte meine Tante in ihrer kurzen abge⸗ brochenen Manier.„Ich gedenke zu bleiben, wo ich bin.“

Dann würde ich reiten, ſagte ich. Ich hätte heute nicht durch Canterbury kommen können, ohne mich auf⸗ zuhalten, wenn ich zu irgend jemand Anders als zu ihr auf dem Wege geweſen wäre.

Sie freute ſich darüber, antwortete aber doch:„Bſt, Trot! Meine alten Knochen würden bis morgen noch gehalten haben!“ Und dann klopfte ſie mich wieder ſanft auf die Hand, als ich gedankenvoll daſaß und ins Feuer blickte.

Gedankenvoll; denn ich hätte nicht wieder hier und Agnes ſo nahe ſein können, ohne daß jene Vorwürfe wieder aufgelebt wären, die mein Gemüth ſo lange