Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 39

„Die jetzige Madame Murdſtone?“

„Wahrhaftig, mein Herr, ein ſehr liebenswürdiges Frauenzimmer,“ ſagte Mr. Chillip,„ſo liebenswerth wahrlich, als man möglicherweiſe nur ſein kann. Die Anſicht meiner Frau iſt, daß ihr Herz ſeit ihrer Hei⸗ rath völlig gebrochen iſt, und daß ſie an vollkommenem Tiefſinn leidet. Und die Damen,“ bemerkte Mr. Chillip ſchüchtern,„ſind große Beobachterinnen, mein Herr.“

„Ich vermuthe, ſie ſollte unterworfen und nach ih⸗ rer verabſcheuenswerthen Facon geknickt und eingerichtet werden; der Himmel helfe ihr!“ ſagte ich.„Und ſie haben ſie geknickt und eingerichtet.“

„Na, mein Herr, ich kann Ihnen verſichern, zuerſt gab's heftige Auftritte,“ entgegnete Mr. Chillip,„jetzt aber iſt ſie ein wahrer Schatten. Ich denke nicht, daß man es als zu weitgehend betrachten könnte, wenn ich zu Ihnen, mein Herr, im Vertrauen ſagte, daß, ſeit die Schweſter zu Hülfe kam, Bruder und Schweſter ſie zwiſchen ſich beinahe auf einen Zuſtand gänzlicher Geiſtesſchwäche herabgebracht haben.“

Ich ſagte ihm, daß ich das recht gern glauben könnte.

„Ich ſtehe nicht an,“ fuhr Mr. Chillip fort, in⸗ dem er ſich mit einem abermaligen Nippen vom Negus ſtärkte,„Ihnen unter vier Augen zu ſagen, mein Herr, daß ihre Mutter darüber ſtarb— oder daß Tyrannei, Gram und Quälerei Madame Murdſtone beinahe gei⸗ ſtesſchwach gemacht haben. Sie war ein lebhaftes jun⸗ ges Frauenzimmer vor ihrer Verheirathung, aber ihr finſtres Weſen und ihre Strenge zerſtörten ſie. Sie gehen mit ihr jetzt mehr wie Gefangenwärter, als wie ein Gatte und eine Schwägerin um. Das war's, was Madame Chillip erſt letzte Woche mir bemerkte. Und