34 David Kopperfield.
fahren, die in meinem Herzen aufgekeimt war. Es ge⸗ ſchah mir Recht, daß ich die Buße bezahlen mußte für meine unüberlegte Leidenſchaft. Ich erntete, was ich geſäet hatte.
Ich dachte eben: hatte ich wirklich mein Herz hierzu gewöhnt, und konnte ich es entſchloſſen ertragen und ruhig den Ort in ihrem Hauſe behaupten, den ſie in dem meinen behauptet— da entdeckte ich plötzlich, daß meine Augen auf einem Geſichte ruhten, welches ſich in ſeiner Verbindung mit meinen Erinnerungen aus früher Zeit vielleicht aus dem Feuer erhoben hatte.
Der kleine Mr. Chillip, der Doctor, dem ich für ſeine guten Dienſte ſchon im erſten Kapitel dieſer Ge⸗ ſchichte verſchuldet ward, ſaß, eine Zeitung leſend, im Schatten einer mir gegenüber befindlichen Ecke. Er war während der Zeit an Jahren ziemlich vorgerückt; da er indeß ein ſanftes, ſchwächliches, ruhiges Männchen war, war er vom Alter nur ſo leicht berührt worden, daß mir's vorkam, als ſähe er in dieſem Augenblicke gerade ſo aus, wie er ausgeſehen haben möchte, als er in un⸗ ſerer Stube ſaß und auf meine Geburt wartete.
Mr. Chillip hatte Blunderſtone vor ſechs oder ſie⸗ ben Jahren verlaſſen, und ich hatte ihn ſeitdem nie geſehen. Er ſaß gelaſſen da und genoß die Zeitung, den kleinen Kopf auf die Seite geneigt und ein Glas warmen Negus von Sherry neben ſeinem Ellbogen. Er war ſo ungemein nachgiebigen Ausſehens, daß er ſich ſelbſt bei der Zeitung zu entſchuldigen ſchien, daß er ſich die Freiheit genommen, ſie zu leſen.
Ich ging hin, wo er ſaß, und ſagte:„Wie geht es Ihnen, Herr Chillip?“
Er war ſehr aus dem Häuschen durch dieſe uner⸗ wartete Anrede von einem Fremden und erwiederte in


