Teil eines Werkes 
10. Theil (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

David Kopperfield. 13

von mir fern hielte, mich dem lieben Mädchen bei dem Verwelken meiner Hoffnungen zuzuwenden, von dem ich mich, als ſie glänzend und friſch waren, abgewendet hatte eine Anſicht von der Sache, welche an der Wurzel jedwedes ſie betreffenden Gedankens war iſt Alles gleich wahr. Ich beſtrebte mich jetzt nicht, es vor mir ſelbſt zu verbergen, daß ich ſie liebe, daß ich ihr ergeben ſei; aber ich brachte mir die Gewißheit heim, daß es jetzt zu ſpät ſei, und daß unſere lange beſte⸗ hende Beziehung zu einander nicht geſtört werden dürfe.

Ich hatte lange und oft daran gedacht, wie meine Dora mir angedeutet hatte, was ſich in jenen Jahren hätte begeben können, welche beſtimmt waren, uns nicht zu pruͤfen. Ich hatte erwägt, wie die Dinge, die ſich nie ereignen, in ihren Wirkungen für uns oft ebenſo ſehr Wirklichkeiten ſind, als die, welche ſtattgefunden haben. Gerade die Jahre, von denen ſie ſprach, waren jetzt Wirklichkeiten für meine Beſſerung und würden es eines Tages, wenn auch vielleicht ein wenig ſpäter, ge⸗ weſen ſein, obſchon wir geſchieden waren, als unſere Thorheit noch ſehr jung war. Ich verſuchte das, was zwiſchen mir und Agnes hütte ſein koͤnnen, in ein Mit⸗ tel zu verwandeln, das mich ſelbſtverleugnender, ent⸗ ſchloſſener, klarer über mich, meine Mängel und Irr⸗ thümer machen ſollte. So, durch den Gedanken, daß es hätte ſein können, gelangte ich zu der Ueberzeugung, daß es nie ſein könnte.

Der Art waren mit ihrem plötzlichen Emportauchen und ihren unbeſtändigen Bewegungen die triebſandartigen Zuſtände meiner Seele von der Zeit meiner Abreiſe von England an bis zur Zeit meiner Heimkehr, drei Jahre ſpäter. Drei Jahre waren verfloſſen ſeit dem Abſegeln des Auswandererſchiffs, als ich zu derſelben Zeit gegen