David Kopperfield. 9
benpracht des Thals verblich und der goldige Schnee auf den Berggipfeln ein ferner Theil des blaſſen Nachthim⸗ mels wurde, und ich doch fühlte, wie die Nacht von meiner Seele wich und all ihre Schatten verſchwanden, da gab es keinen Namen für die Liebe, mit der ich ſie umfaßte, ſie, die mir von jetzt an theurer war als je.
Ich las ihren Brief vielmals. Ich ſchrieb an ſie, ehe ich einſchlief. Ich ſagte ihr, daß ich ihrer Hülfe ſehr bedürftig geweſen ſei; daß ich ohne ſie nicht ſei und nimmer geweſen ſei, wofür ſie mich hielte; daß ſie mich aber mit dem Willen erfüllte, dies zu werden, und daß ich den Verſuch machen wolle.
Ich machte den Verſuch. Noch drei Monate, und ein Jahr war verfloſſen ſeit dem Beginne meines Kum⸗ mers. Ich nahm mir vor, bis zum Ablauf dieſer drei Monate keinen Entſchluß zu faſſen, aber den Verſuch zu machen. Ich lebte in dieſem Thale und ſeiner Um⸗ gebung die ganze Zeit über.
Als die drei Monate vorbei waren, beſchloß ich noch einige Zeit vom Hauſe wegzubleiben; mich für jetzt in der Schweiz niederzulaſſen, die mir in der Erinnerung an jenen Abend theuer wurde; meine Feder wieder aufzunehmen und wieder zu arbeiten.
Folgſam hielt ich mich an das, wohin Agnes mich gewieſen; ich ſuchte in der Natur, und nie ſuchte ich vergeblich, und ich öffnete mein Herz menſchlicher Theil⸗ nahme, vor der ich in der letzten Zeit zurückgeſchrocken war. Es dauerte nicht lange, ſo hatte ich in dem Thale ſchier ſo viele Freunde als in Yarmouth, und als ich es, ehe der Winter hereinbrach, verließ, um mich nach Genf zu begeben, und im Frühlinge zurückkam, hatten ihre herzlichen Grüße einen heimatlichen Klang, obwohl ſie mir nicht in engliſchen Worten zugerufen wurden.


