David Kopperfield.
ging ihr wohl, wie ſie gehofft hatte. Das war Alles, was ſie mir von ſich ſelbſt erzählte. Der Reſt bezog ſich auf mich.
Sie gab mir keinen Rath, ſte legte mir keine Pflicht ans Herz; ſie ſagte mir blos in der ihr eignen eindringlichen Wiſ was ſie zuverſichtlich von mir hoffe. Sie wüßte(ſagte ſie), wie bei ſolch einer Natur, als die meine, Trübſal zum Guten ausſchlagen müſſe. Sie wüßte, wie Heimſuchung und Seelenſchmerz ſie nur er⸗ heben und kräftigen würden. Sie wäre überzeugt, daß ich für jedes Ziel in mir durch den Kummer, der mir auferlegt worden, einen beharrlichern und höhern An⸗ trieb gewinnen wuͤrde. Sie, welche ſich meines Ruh⸗ mes ſo freue und ſo ſehr ſeine Vermehrung wünſche, wüßte recht gut, daß ich weiter arbeiten werde. Sie wüßte, daß in mir der Kummer keine Schwäche ſein könnte, ſondern Stärke ſein müßte. Wie das, was ich in meiner Kinderzeit erduldet, an ſeinem Theil beige⸗ tragen habe, mich zu dem zu machen, was ich ſei, ſo würden größere Unglücksfälle mich weiter ſtählen, noch beſſer zu werden, als ich ſchon ſei, und das, was ſie mich gelehrt, würde ich Andern lehren. Sie befehle mich Gott, welcher meinen unſchuldigen Liebling zu ſei⸗ nem Frieden habe eingehen heißen, und ſie folge mir allezeit mit ihrer ſchweſterlichen Liebe, und wäre ſtets an meiner Seite, möchte ich hingehen, wohin ich wollte, und ſtolz auf das, was ich gethan, ſei ſie doch noch unendlich ſtolzer auf das, was mir noch zu vollbringen beſchieden wäre.
Ich ſteckte den Brief in meine Bruſttaſche und über⸗ legte mir, was ich noch vor einer Stunde geweſen ſei. Als ich hörte, wie die Stimmen verhallten, und ſah, wie die ſtille Abendwolke ſich verdunkelte und alle Far⸗


