Die Marquiſe von Ganges.
Gegen das Ende des Jahres 1657 hielt ein ſehr einfacher Wagen gegen acht Uhr des Abends an der Thür eines Hauſes in der Straße . Hautefeuille, wo ſchon zwei andere hielten. Ein Lakai ſtieg ſo⸗ gleich herab, um den Schlag zu öffnen, aber eine ſanfte, obgleich
etwas zitternde Stimme hielt ihn mit den Worten auf:
— Warte, ich will erſt ſehen, ob es hier iſt. Und ſogleich kam ein Kopf, der in ein ſchwarzſeidnes Mäntelchen ſo ſehtn gehüllt war, daß man ſeine Züge unmöglich ſehen konnte, aus einem der Wagenfenſter, ſah in die Höhe und ſuchte an der Fagade des Hauſes ein Zeichen, das die Ungewißheit heben könne. Die un⸗ bekannte Dame ſchien mit ihrer Nachforſchung zufrieden, denn ſie wandte ſich zu ihrer Gefährtin und ſagte:„Hier iſt es, da iſt das Schild.“.
In Folge dieſer erlangten Gewißheit wurde der Schlag geöff⸗ net, die beiden Frauen ſtiegen heraus, und nachdem ſie von Neuem die Augen auf eine Tafel gerichtet hatten, die vben unter den Fenſtern des zweiten Stockwerks ſechs bis acht Fuß lang und zwei Fuß hoch
angebracht war und auf welcher die Worte ſtanden: Madame
Voiſin, Hebamme, ſchlüpften ſie behend in einen Gang, zu
dem dit Thüre nur angelehnt und der gerade hell genug war, da⸗
mit die eintretenden oder herauskommenden Perſonen die ſchmale und gewundene Treppe finden konnten, welche von der Hausſtur bis ins fünfte Stockwerk führte.


