Teil eines Werkes 
9. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 159

meine weinende alte Wärterin auf meinen Arm und eilte hinweg. Auf dem Verdeck nahm ich Abſchied von der armen Mrs. Micawber. Sie ſchaute ſelbſt da noch ganz außer ſich nach ihrer Familie aus, und ihre letz⸗ ten Worte zu mir waren, daß ſie nimmermehr Mr. Micawber verlaſſen wolle.

Wir gingen über die Schiffsſeite in unſer Boot hinab und blieben in einiger Entfernung liegen, um das Schiff ſeinen Lauf beginnen zu ſehen. Es war um dieſe Zeit ein ruhiger, ſtrahlender Sonnenunter⸗ gang. Das Schiff lag zwiſchen uns und dem rothen Lichte, und jedes Tau, wie jede Spiere war gegen die Gluth ſichtbar. Einen ſolchen Anblick, welcher zugleich ſo ſchön, ſo traurig und ſo hoffnungsvoll war, wie das herrliche Schiff, als es noch auf dem beglänzten Waſſer lag, und wie all das Leben an ſeinem Bord auf den Bollwerken zuſammengedrängt war und dort einen Augenblick baarhäuptig und ſchweigend in Grup⸗ pen ſtand, ſah ich nimmer.

Schweigend, nur für einen Augenblick. Als die Segel im Winde ſchwollen, und das Schiff vorwärts⸗ zurücken begann, brachen von allen Booten drei wie⸗ derhallende Lebehochs los, welche die an Bord aufnah⸗ men und wiedergaben, und welche vom Echo wieder und immer wieder nachgehallt wurden. Mein Herz ging mir über, als ich den Schall hörte und das Wehen der Taſchentücher und Hüte ſah und dann ſah ich ſie!

Dann ſah ich ſie an ihres Oheims Seite und zit⸗ ternd auf ſeine Schulter gelehnt. Er zeigte mit haſtiger Hand auf uns, und ſie ſah uns und winkte mir ihr letztes Lebewohl zu. Ja, Emilie, ſchöne, gebeugte Blume, hänge Dich an ihn mit dem äußerſten Vertrauen, wel⸗