David Kopperfield. 139
Allem, was er that, folgte, und mir mit Eifer alles das Wiſſen verſchaffen, welches ihn am Meiſten inter⸗ eſſirte, und ich zog ihn an. Als er am Friſcheſten und Wahrſten war, da liebte er mich. Ja, das that er! Manchmal, wenn Sie mit einem kurzen Worte abge⸗ ſpeiſt wurden, hat er mich an ſein Herz gezogen!“
Sie ſagte dies mit einem höhniſchen Stolze mitten in ihrem verzweifelten Wahnſinne— denn es war nicht viel weniger als Wahnſinn—, jedoch auch mit einer lebhaften Erinnerung an jene Zeit, in welcher die ver⸗ glimmende Aſche eines milderen Gefühls ſich für einen Augenblick entzündete.
„Ich ſank zu einer Puppe herab— was ich wohl hätte vorauswiſſen können, hätte er mich nicht mit ſeiner knabenhaften Liebelei bezaubert— herab zu einer Spielerei, mit der man ſich wohl in einer faulen Stunde beſchäftigt, die man fallen läßt und wieder auf⸗ hebt und damit tändelt, wie ſeine unbeſtändige Laune es haben wollte. Als er es ſatt bekam, bekam ich's ebenfalls ſatt. Als ſeine eingebildete Liebe erloſch, würde ich ebenſowenig verſucht haben, irgend eine Anziehungs⸗ kraft, die ich hatte, anzuſpannen, als ich ihn darauf hin geheirathet haben würde, daß er gezwungen war, mich zu ſeiner Frau zu nehmen. Wir gingen ohne ein Wort auseinander. Vielleicht ſahen Sie es, und es war Ihnen nicht unlieb. Seit der Zeit bin ich nichts, als ein verunſtaltetes Stück Hausgeräth zwiſchen Ihnen Beiden geweſen, ohne Augen, ohne Ohren, ohne Ge⸗ fühl, ohne Erinnerungen. Aechzen?— Aechzen Sie über das, wozu Sie ihn gemacht haben, nicht um Ihrer Liebe willen. Ich ſage ihnen, es gab eine Zeit, wo ich ihn mehr liebte, als Sie ihn in Ihrem ganzen Leben!“


