David Kopperfield. 137
„Ja, ja,“ ſchrie Roſa, ſich leidenſchaftlich auf die Bruſt ſchlagend,„ſehen Sie mich nur an! Aechzen und ſtöhnen Sie, und ſehen Sie mich an! Sehen Sien“ — und ſie ſchlug ſich auf die Schmarre—„auf das hübſche Werk Ihres todten Kindes!“
Das Stöhnen, welches die Mutter von Zeit zu Zeit ausſtieß, ging mir an's Herz. Immer daſſelbe. Im⸗ mer unartikulirt und halb erſtickt. Stets von einer ohn⸗ mächtigen Bewegung des Kopfes begleitet, aber ohne daß das Geſicht ſeinen Ausdruck gewechſelt hätte. Stets ausgehend von einem bewegungsloſen Munde und ge⸗ ſchloſſenen Zähnen, als ob die Kinnlade verriegelt und das Geſicht vor Schmerz gefroren wäre.
„Erinnern Sie ſich, wenn er dies that?“ fuhr ſie fort.„Erinnern Sie ſich, wenn er, der Ihre Natur geerbt hatte und von Ihnen in ſeinem Stolze und ſei⸗ ner Leidenſchaftlichkeit verhätſchelt worden war, dies hier that und mich für mein ganzes Leben entſtellte? Sehen Sie mich an, die ich bis an meinen Tod das Zeichen ſeines Mißfallens an mir tragen werde, und ſeufzen und ächzen Sie darüber, wozu Sie ihn gemacht haben!“
„Fräulein Dartle!“ bat ich Sie flehentlich.„Um
des Himmels willen—“ „ Ich will ſprechen,“ ſchrie ſie, ſich mit ihren blitzen⸗ den Augen auf mich wendend.„Stille, Sie da! Se⸗ hen Sie mich an, ſtolze Mutter eines ſtolzen, falſchher⸗ zigen Sohnes! Stöhnen Sie darüber, daß Sie ihn geſäugt, ſtöhnen Sie darüber, daß Sie ihn verdorben, ſtöhnen Sie darüber, daß ſie ihn verloren, ſtöhnen Sie darüber, daß auch ich ihn verloren habe!“
Sie ballte ihre Hand und zitterte durch ihre ganze magere, abgehärmte Geſtalt, als ob ihre Leidenſchaft⸗ lichkeit ſie zollweiſe umbrächte.
4


