David Kopperfield. 135
hen, und durchforſchte mich mit einem durchbohrenden Blicke, der nie ſich abwendete, noch zurückſchrak.
„Ich bemerke mit Bedauern, Herr Kopperfield, daß Sie Trauer tragen,“ ſagte Mrs. Steerforth.
„Ich bin unglücklicher Weiſe ein Wittwer,“ ent⸗ gegnete ich.
„Sie ſind noch ſo jung, und haben ſchon einen ſo großen Verluſt erfahren,“ erwiederte ſie.„Es betrübt mich, das zu hören. Es betrübt mich ſehr, das zu hören. Ich hoffe, die Zeit wird Ihnen gut thun und Sie tröſten.“
„Ich hoffe,“ ſagte ich, ſie anblickend,„die Zeit wird uns Alle tröſten. Liebe Madame Steerforth, wir Alle müſſen darauf hoffen, wenn ſchweres Unglück uns be⸗ troffen hat.“
Der Ernſt in meinem Benehmen und die Thränen in meinen Augen beängſtigten ſie. Der ganze Gang ihrer Gedanken ſchien anzuhalten und ſich zu verändern.
Ich verſuchte, meine Stimme zu beherrſchen, indem ich leiſe ſeinen Namen ausſprach, aber ſie zitterte. Sie wiederholte ihn ſelbſt zwei oder drei Mal in dumpfem Tone. Dann ſagte ſie, zu mir gewendet, mit mühſam errungener Ruhe:
„Mein Sohn iſt krank?“
„Sehr krank.“
„Sie haben ihn geſehen?“
„Ja, ich ſah ihn.“
„Sind Sie verſohnt?“
Ich konnte nicht Ja und ich konnte nicht Nein ſa⸗ gen. Sie wendete ihren Kopf ein wenig nach dem Orte, wo Roſa Dartle an ihrem Ellbogen geſtanden hatte, und in dieſem Augenblicke ſagte ich durch die Bewegung meiner Lippen zu Roſa:„Todt!“


