David Kopperfield. 155
von neuem glauben und vertrauen und lieben können. Ich hielt Sie für ein zerbrochenes Spielzeug, welches ſeine Zeit ausgehalten hätte, für ein werthloſes Flitter⸗ püppchen, welches abgegriffen und weggeworfen worden ſei. Da ich aber in Ihnen echtes Gold, eine wahre Dame und eine ſchlecht behandelte Unſchuld mit einem friſchen Herzen voll Liebe und Zuverſicht finde— dem Sie ähnlich ſehen und was ganz gut zu Ihrer Ge⸗ ſchichte paßt— ſo habe ich Ihnen noch etwas Weite⸗ res zu ſagen. Geben Sie hübſch Achtung darauf; denn was ich ſage, werd' ich thun. Hören Sie, Sie holde Elfe? Was ich ſage, gedenk' ich zu thun.“
Wieder gewann ihre Wuth auf einen Augenblick die Oberhand über ſie, aber es ging wie ein Zucken über ihr Geſicht und verließ ſie lächelnd.
„Verſtecken Sie ſich,“ fuhr ſie fort;„wo nicht zu Hauſe, irgendwo anders. Suchen Sie ſich irgendwo einen Fleck aus, wohin ich nicht reiche— leben— oder noch beſſer, ſterben Sie irgendwo in der Verborgenheit. Ich wundere mich, daß Sie, wenn Ihr liebendes Herz nicht brechen will, keinen Weg gefunden haben, ihm zur Ruhe zu verhelfen. Ich habe manchmal von der⸗ artigen Mitteln gehört. Ich glaube, daß ſie leicht zu finden ſind.“
Ein dumpfes Weinen von der Seite her, wo Emi⸗ lie ſich befand, unterbrach ſie hier. Sie hielt inne und lauſchte darauf, als ob es ihr Muſik wäre.
„Ich bin vielleicht von einer wunderlichen Natur,“ fuhr Roſa Dartle fort,„aber ich kann nicht frei ath⸗ men in der Luft, die Sie einathmen. Ich finde ſie widerlich. Deshalb will ich ſie rein haben; ich will ſie von Ihnen gereinigt haben. Wenn Sie morgen noch hier wohnen, werd' ich Ihre Geſchichte und Ihren Cha⸗


