126 David Kopperfield.
aber ich weiß nicht, was. Sie ſind beide ohne Zwei⸗ fel aufrichtig und ohne daß einer dem andern wider⸗ ſpräche, geſchrieben. Das arme Geſchöpf!“ Er ſpielte jetzt auf den Brief der Mrs. Micawber an, und wir ſtanden Seite an Seite, die beiden Schreiben verglei⸗ chend;„es wird auf jeden Fall ein Werk der Barm⸗ herzigkeit ſein, an ſie zu ſchreiben und ihr zu ſagen, daß wir nicht verfehlen werden, Herrn Mieawber zu ſehen.“
Ich ſtimmte hiermit um ſo bereitwilliger überein, als ich mir jetzt Vorwürfe machte, ihren frühern Brief zu obenhin behandelt zu haben. Er hatte mich, wie ich an ſeinem Orte erwähnt habe, ziemlich viel nach⸗ denken laſſen; aber ich war von meinen eignen Ange⸗ legenheiten zu ſehr in Anſpruch genommen, hatte zu ge⸗ naue Erfahrungen von der Familie und hörte auch nichts weiter, ſo daß ich allmählig die Angelegenheit aus den Augen ließ. Ich hatte oft an die Micawbers gedacht, aber meiſtentheils, um mich zu fragen, was für„pe⸗ kuniäre Verbindlichkeiten“ ſie in Canterbury eingehen möchten, und mir ins Gedächtniß zurückzurufen, wie ſcheu ſich Mr. Micawber mir gegenüber betragen, als er Schreiber bei Uriah Heep geworden.
Indeß ich ſchrieb jetzt einen tröſtenden Brief in un⸗ ſerer beider Namen, und wir beide unterzeichneten den⸗ ſelben. Als wir gingen, um ihn auf die Poſt zu ge⸗ ben, hielten Traddles und ich eine lange Beſprechung und ergingen uns in einer Menge Plänen, welche ich hier nicht zu wiederholen brauche. Wir zogen am Nach⸗ mittage meine Tante zu unſern Berathungen bei, aber unſer einziger entſchiedener Beſchluß war, daß wir Mr. Micawbers Zeitbeſtimmung ſehr pünktlich innehalten wollten.


