David Kopperfield. 5
der nachmittägliche Schatten von Jemand Anderm. Seine Monturjacke war in dem Maße zu kurz für ihn, als er ſelbſt zu groß für unſere Räumlichkeiten war. Er machte das Landhäuschen kleiner ausſehen, als es nö⸗ thig war, indem er ſo ganz außer allem Verhältniſſe zu ihm ſtand. Außerdem waren die Mauern nicht dick, und ſobald er nur einmal den Abend in unſerm Hauſe verbrachte, wußten wir es ſtets, indem wir ein fort⸗
währendes Grollen einer Stimme in der Küche hörten.
Von unſerm Kleinode hieß es in dem Zeugniſſe, daß ſie dem Branntweine nicht zugethan und ehrlich ſei. Ich bin daher bereit, zu glauben, daß ſie einen Anfall von Ohnmacht hatte, als wir ſie einſt unter dem Kochkeſſel fanden, und daß die fehlenden Theelöffel dem Gaſſenkehrer zuzuſchreiben waren.
Aber ſie quälte uns entſetzlic. Wir waren uns unſerer Unerfahrenheit bewußt und nicht im Stande, uns zu helfen. Sie hätte Mitleid mit uns haben ſol⸗ len, wenn ſie überhaupt dergleichen gehabt hätte; aber ſie war ein herzloſes Weibsbild und hatte keins. Sie war die Urſache unſres erſten kleinen Streites.
„Mein liebſtes Leben,“ ſagte ich eines Tages zu Dora,„denkſt Du, daß Mary Anne eine Idee von der Zeit hat?“
„Warum denn, Daddy?“ erkundigte ſich Dora, un⸗ ſchuldig von ihrer Zeichnung aufblickend.
„Meine Liebe, weil es um fünf iſt und wir ſchon um vier gegeſſen haben ſollten.“
Dora blickte aufmerkſam nach der Wanduhr und ließ⸗ merken, daß ſie glaube, dieſelbe gehe vor.
„Im Gegentheil, meine Liebe,“ ſagte ich mit einem Blicke auf meine Taſchenuhr,„ſie geht ein paar Mi⸗ nuten nach.“


