David Kopperfield. 127
„Um Gottes willen, mein lieber Doctor,“ ſagte Mr. Wickfield, indem er wieder ſeine unentſchloſſene Hand auf des Doectors Schulter ſtreckte,„legen Sie nicht zu viel Gewicht auf die ſchlimmen Vermuthungen, die ich etwa gehegt haben mag.“
„Da haben wir's!“ ſchrie Uriah, indem er den Kopf ſchüttelte.„Welche traurige Beſtätigung, nicht wahr? Er! Solch ein alter Freund! Herrjes, als ich nichts als ein Schreiber in ſeiner Expedition war, Kopper⸗ field, hab' ich ihn nicht ein Mal, ſondern zwanzig Mal mit ſich ſelber darüber reden hören— ganz außer ſich (und zwar ſehr paſſend für ihn als Vater, ſo daß ich ihn wahrhaftig nicht tadeln mag) bei dem Gedanken, daß Agnes mit etwas in Berührung kommen thäte, was ſich nicht gehört.“
„Mein lieber Strong,“ ſagte Mr. Wickfield mit zitternder Stimme,„mein guter Freund, ich brauche Ihnen nicht zu ſagen, daß es immer mein Fehler gewe⸗ ſen iſt, mich in Jedermann nach einem Hauptbeweg⸗
grunde umzuſehen und alle Handlungen in einem eng⸗
begrenzten Schmelztiegel zu unterſuchen. Ich mag durch dieſe Mißgriffe wohl in ſolche Zweifel verfallen ſein, wie ich ſie hegte.“
„Sie haben alſo Zweifel gehegt, Wickfield?“ ent⸗ gegnete der Doctor, ohne ſeinen Kopf aufzurichten.„Sie haben wirklich Zweifel gehegt?“
„Friſch mit der Sprache heraus, Compagnon!“ drängte Uriah.
„Ich hatte ſie allerdings ein Mal,“ ſagte Mr. Wick⸗ field.„Ich— Gott vergieb mir's— ich dachte, auch Sie hätten welche.“
„Nein, nein, nein!“ entgegnete der Doctor im Tone des rührendſten Kummers.


