108 David Kopperfield.
„Nun, geſetzt den Fall, mein Schäfchen, wir wä⸗ ren verheirathet, und Du wollteſt einen Schöpſenbraten fürs Mittagseſſen kaufen, würdeſt Du wohl wiſſen, wie man ihn kauft?“
Das Geſicht meiner hübſchen kleinen Dora pflegte dann lang zu werden und ſie zog dann ihren Mund wieder in ein Knöſpchen zuſammen, als würde ſie es ſehr vorziehen, wenn ſie den meinen mit einem Kuſſe ſchließen könnte.
„Würdeſt Du wiſſen, wie Du es kaufen ſollteſt, mein Liebling?“ pflegte ich dann vielleicht zu wieder⸗ holen, wenn ich unbeugſam war.
Dora dachte dann ein Bischen nach und antwortete hierauf, vielleicht mit großem Triumphe:
„Ei nun, der Fleiſcher würde ſchon wiſſen, wie er's verkaufte, und was brauch' ich's da zu wiſſen? Oh Du einfältiger Junge!“
So, als ich einſt Dora mit einem Blicke auf das Kochbuch fragte, was ſie thun würde, wenn wir ver⸗ heirathet wären, und ſagte, ich möchte gern ein hüb⸗ ſches irländiſches Gericht Schöpſenfleiſch mit Kartoffeln haben, antwortete ſie, daß ſie der Magd heißen würde, es zu machen, und dann ſchlug ſie beide Hände über meinem Arme zuſammen und lachte in ſolch einer be⸗ zaubernden Weiſe, daß ſie wonniger wie je war.
In Folge davon war der vornehmlichſte Gebrauch, dem das Kochbuch gewidmet wurde, der, daß es in einen Winkel gelegt wurde, damit Zig ſich darauf auf die Hinterbeine ſtelle. Aber Dora war, als ſie ihn abge⸗ richtet hatte, darauf zu ſtehen, ohne den Wunſch zu äußern, wegzukommen, und zu gleicher Zeit die Blei⸗ ſtifthülſe im Maule zu halten, ſo vergnügt, daß ich äu⸗ ßerſt froh war, es gekauft zu haben.


