Teil eines Werkes 
7. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 107

von den Augen küſſen und ihr dann ſagen, wie ſehr ich an ihr hinge?

Ich liebe Dich doch wahrhaftig ſehr, verſetzte Dora, und Du brauchteſt gegen mich nicht ſo grauſam zu ſein, Daddy?

Grauſam, mein koſtbares Herz! Als ob ich um Alles in der Welt grauſam gegen Dich ſein wollte oder könnte!

Dann mußt Du an mir keinen Fehler finden, ſagte Dora, indem ſie aus ihrem Munde eine Roſen⸗ knospe machte,und ich werde gut ſein.

Ich war bezaubert, als ſie mich gleich darauf aus eignem Antriebe bat, ihr das Kochbuch zu geben, von dem ich einſt geſprochen, und ihr, wie ich einſt zu thun zugeſagt, zu zeigen, auf welche Weiſe man Rechnungen führe. Ich brachte das Buch bei meinem nächſten Be⸗ ſuche mit(ich ließ es zuerſt hübſch einbinden, damit es weniger trocken und mehr einladend ausſähe), und als wir über den Anger gingen, zeigte ich ihr ein altes Haushaltsbuch von meiner Tante und gab ihr eine Reihe von Täfelchen nebſt einer ſchmucken kleinen Bleiſtifthülſe und einer Schachtel voll Bleiſtifte, um ſich damit im Haushalten zu üben.

Aber das Kochbuch machte Dora Kopfſchmerzen, und die Zahlen preßten ihr die Thränen aus den Augen. Sie wollten ſich nicht addiren laſſen, ſagte ſie. So rieb ſie ſie aus und zeichnete Blumenſträuße und Bil⸗ der von mir und Zig über die ganzen Täfelchen hinweg.

Dann verſuchte ich ihr in ſpielender Weiſe münd⸗ liche Belehrung über häusliche Angelegenheiten zu Theil werden zu laſſen, als wir am Nachmittage eines Sonn⸗ abends ſpazieren gingen. Manchmal zum Beiſpiel, wenn

wir an einem Fleiſcherladen vorbeigingen, ſagte ich etwa: