David Kopperfield.
ſeine Handſchrift von geſtern wie ein geſpenſtiſches Et⸗ was lag,— die unerklärliche Unmöglichkeit, ihn von dem Orte zu trennen, und das Gefühl, er werde ein⸗ treten, wenn die Thür ſich öffnete— die träge Stille und Ruhe, welche in der Erpedition herrſchte, und die unerſättliche Luſt, mit welcher unſere Leute darüber ſpra⸗ chen und andere Leute den ganzen Tag aus⸗ und ein⸗ gingen und ſich mit dem Gegenſtande ſättigten— das läßt ſich von Jedem leicht begreifen. Was ich nicht be⸗ ſchreiben kann, iſt, wie in den innerſten Falten meines Herzens eine Eiferſucht ſelbſt auf den Tod lauerte. Wie ich fühlte, als ob ſeine Macht mich von meinem Platze in Dora's Gedanken treiben würde. Wie ich mit einer Erbitterung, für die ich keine Worte habe, neidiſch auf ihren Kummer war. Wie es mir die Ruhe meiner Seele raubte, wenn ich daran dachte, wie ſie zu An⸗ dern weinte und von Andern getröſtet werde. Wie ich einen gierigen, geizigen Wunſch hatte, alle Welt, mich ausgenommen, von ihr auszuſchließen und ihr zu dieſer unpaſſendſten aller Zeiten Alles in Allem zu ſein.
In der Qual dieſes Gemüthszuſtandes— der, wie ich hoffe, nicht mir allein eigen, ſondern auch Andern wohl bekannt iſt— ging ich dieſen Abend nach Nor⸗ wood hinaus, und indem ich auf meine an der Thür eingezogenen Erkundigungen von einem der Dienſtboten erfuhr, daß Miß Mills dort ſei, veranlaßte ich meine Tante, einen Brief an ſie zu richten, den ich ſchrieb. Ich beklagte den frühzeitigen Tod von Mr. Spenlow ſehr aufrichtig und vergoß Thränen, indem ich dies that. Ich bat ſie, Dora, ſobald ſie in der Stimmung dies zu hören ſei, zu ſagen, daß er zu mir mit der größten Freundlichkeit und Nachſicht geſprochen, und mit ihrem Namen nichts als Zärtlichkeit, nicht ein einziges


