David Kopperfield. 19
Gedanke, daß ſie ihr Angſt machten und ſie zum Weinen veranlaßten, und daß ich nicht da ſei, ſie zu tröſten, war ſo quälend, daß er mich trieb, einen tollen Brief an Mr. Spenlow zu ſchreiben, worin ich ihn flehent⸗ lich bat, ihr die Folgen meines furchtbaren Geſchicks nicht entgelten zu laſſen. Ich flehte ihn, ihre zarte Na⸗ tur zu ſchonen,— nicht eine ſolche leicht zerſtörbare Blume zu knicken— und redete zu ihm im Allgemei⸗ nen, ſo viel ich mich entſinne, als ob er, ſtatt ihr Va⸗ ter zu ſein, ein Menſchenfreſſer oder der Drache von Wantley geweſen wäre. Dieſen Brief ſiegelte ich zu und legte ihn auf ſein Pult, ehe er wiederkam, und als er hereintrat, ſah ich durch die halbgeöffnete Thuͤr ſeines Zimmers, wie er ihn nahm und las.
Er äußerte den ganzen Morgen nichts darüber; aber ehe er des Nachmittags wegging, rief er mich herein und ſagte mir, daß ich durchaus nicht nöthig habe, mir über das Glück ſeiner Tochter Gedanken zu machen. Er hätte ihr, ſagte er, die Verſicherung gegeben, daß es Alles dummes Zeug ſei, und er hätte ihr nichts wei⸗ ter zu ſagen. Er glaube, er ſei ein nachſichtiger Vater (was er allerdings war) und ich möchte mir alle Angſt ihrethalben erſparen.
„Wenn Sie thöricht oder hartnäckig ſind, Herr Kopperfield,“ bemerkte er,„ſo mgchen Sie es noth⸗ wendig für mich, meine Tochter wieder auf einige Zeit ins Ausland zu ſchicken. Aber ich habe eine beſſere Meinung von Ihnen. Ich hoffe, Sie werden in eini⸗ gen Tagen klüger ſein. Was Fräulein Murdſtone be⸗ trifft“— ich hatte auf dieſe nämlich in dem Briefe angeſpielt—„ſo habe ich alle Achtung vor der Wach⸗ ſamkeit dieſer Dame und fühle mich ihr verpflichtet, aber ſie hat ſtrengen Auftrag, den Gegenſtand zu vermeiden.
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