Teil eines Werkes 
6. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 19

bin, der Anfang war, daß ſie je mit Littimer ſprach, der zu dem Zwecke zurückblieb.

Ich ſtand verwundert da, als mir alle dieſe Schänd⸗ lichkeit eröffnet wurde, und ſah Miß Mowcher an, wie ſie in der Küche auf⸗ und abging, bis ſie außer Athem war. Dann ſetzte ſie ſich wieder auf das Kamingitter, und nachdem ſie ihr Geſicht mit ihrem Taſchentuche ge⸗ trocknet hatte, ſchüttelte ſie lange Zeit den Kopf, ohne ſich ſonſt wie zu bewegen oder das Stillſchweigen zu brechen.

Meine Rundreiſen im Lande, fuhr ſie endlich fort, brachten mich vorgeſtern Abend nach Norwich, Herr Kopperſield. Was ich dort zufällig herauskriegte über ihr geheimes Kommen und Gehen ohne Sie was mir ſeltſam vorkam führte mich auf die Vermuthung, daß etwas an der Sache faul ſei. Ich ſetzte mich ge⸗ ſtern Abend in die Poſt von London, als ſie durch Nor⸗ wich kam, und war dieſen Morgen hier. Oh, oh, oh, es war zu ſpät!

Die arme kleine Mowcher war nach allem ihrem Wei⸗ nen und Sich⸗Abhärmen ſo kalt geworden, daß ſie ſich auf dem Kamingitter herumdrehte und ihre armen klei⸗ nen naſſen Füße in die Aſche ſteckte, um ſie zu wär⸗ men, und ſo ſaß ſie da gleich einer großen Puppe und ſchaute ins Feuer. Ich ſaß auf der andern Seite des Herds in einem Stuhl, verloren in traurige Gedan⸗ ken, und blickte ebenfalls ins Feuer und manchmal nach ihr.

Ich muß gehen, ſagte ſie endlich, indem ſie ſich erhob, während ſie ſprach.'s iſt ſpät. Sie ſetzen doch kein Mißtrauen in mich?

Indem ich ihrem ſcharfen Blicke begegnete, der, als ſie mich fragte, ſo ſcharf wie immer war, konnte ich auf

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