David Kopperfield. 15
haben, und wundern ſich, daß ich mehr Gefühl im Leibe habe, als ein Schaukelpferd oder ein hölzerner Soldat. Ja ja, das iſt ſo ihre Art! Die Art, wie ſie's immer machen!“
„Mag ſein, daß es bei Andern ſo iſt,“ erwiederte ich,„aber ich verſichere Ihnen, nicht mit mir. Viel⸗ leicht ſollte ich überhaupt gar nicht erſtaunt ſein, Sie in dem Zuſtande zu ſehen, in welchem Sie jetzt ſind. Ich kenne Sie ſo wenig. Ich ſagte, was ich dachte, ohne Ueberlegung und Hintergedanken.“
„Was kann ich thun?“ erwiederte das kleine Weib, indem ſie aufſtand und ihre Arme ausſtreckte, um zu zeigen, was für ein Knirps ſie ſei.„Sehen Sie her! Was ich bin, war mein Vater und iſt meine Schwe⸗ ſter und mein Bruder. Ich habe für Bruder und Schwe⸗ ſter dieſe vielen Jahre daher gearbeitet— ſehr fleißig gearbeitet, Herr Kopperfield,— den ganzen Tag. Ich muß leben. Ich thue Niemandem was zu Leide. Wenn es Leute giebt, die ſo wenig Ueberlegung haben und ſo grauſam ſind, daß ſie ihren Witz mit mir treiben,
was bleibt mir da übrig, als über mich ſelbſt, über
und Alles mit einander meinen Witz zu machen? Wenn ich nun dann und wann ſo thue, wer trägt die Schuld davon? Ich etwa?“
Nein. Das ſah ich ein, es war nicht die Schuld von Miß Mowcher. 3
„Hätte ich mich als einen übelnehmiſchen Zwerg gegen ihren falſchen Freund gezeigt,“ fuhr das kleine Frauenzimmerchen fort, indem ſie ihren Kopf mit vor⸗ wurfsvollem Ernſte ſchüttelte,„wieviel denken Sie wohl, daß er mir geholfen oder geſchenkt haben würde? Wenn die kleine Mowcher(welche nichts dafür kann, junger Herr, daß Sie nicht größer geworden iſt), ſich an ihn


