David Kopperfield. 21
einer Naſe, und wir wiſſen es. Wir begegnen ihm in einem Kinn, und wir ſagen:„Da iſt's! Das iſt Blut!“ Es iſt'ne ausgemachte Sache. Wir zeigen mit den Fin⸗ gern darauf. Es läßt keinen Zweifel zu.“
Der einfältig lächelnde Menſch mit den lahmen Bei⸗ nen, welcher Agnes heruntergeführt hatte, legte die Frage, wie mich dünkte, noch entſchiedener und deutlicher dar.
„Oh Sie wiſſen, hol's der Teufel,“ ſagte dieſer Gentleman, indem er ſeine Blicke mit einem matten Lä⸗ cheln rings um die Tafel ſchweifen ließ,„wir können nicht anders, wiſſen Sie, wir müſſen adeliges Blut haben, ſehen Sie. Gewiſſe junge Leute, ſehen Sie, mögen viel⸗ leicht im Punkte der Erziehung und des Benehmens ein Bischen unter ihrem Stande ſtehn, und ein Bischen auf falſchen Wegen laufen, verſtehen Sie, und ſich und andern Leuten allerhand unangenehme Dinge auf den Hals ziehn, und ſo weiter— aber hol's der Teufel, es iſt doch hübſch, wenn man dran denkt, daß ſie adliges Blut in ſich haben! Ich zum Beiſpiel würde mich lieber zu jeder Zeit von einem Manne adligen Geblüts vor den Kopf hauen laſ⸗ ſen, daß ich hinſtürzte, als mich von einem andern wieder aufheben laſſen, welcher nicht von Adel wäre.“
Dieſer Ausſpruch faßte die ganze Frage gewiſſermaßen in eine Nußſchale zuſammen, und gereichte Allen zu äu⸗ ßerſter Genugthuung, ſo daß der Gentleman aller Augen auf ſich zog, bis ſich endlich die Damen entfernten. Hier⸗ auf bemerkte ich, daß Mr. Gulpidge und Mr. Henrh Spiker, welche bisher ſehr entfernt von einander geſeſſen, eine Vertheidigunsalliance gegen uns, den gemeinſchaft⸗ lichen Feind, ſchloſſen und ein geheimnißvolles Zwiege⸗ ſpräch quer über die Tafel herüber wechſelten, um uns zu beſtegen und zu überwältigen. 5


