David Kopperfield. 13
die Hände vor's Geſicht hielt,„mir iſt's beinahe zu Muthe, als ſei ich Papas Feindin geweſen, anſtatt ſein liebendes Kind zu ſein. Denn ich weiß, wie ihn ſeine Hingabe an mich verändert hat. Ich weiß, wie er damit, daß er alle ſeine Gedanken auf mich allein concentrirte, den Kreis ſeiner Sympathien und Pflichten verengerte. Ich weiß, von wie vielen Dingen er ſich abgewandt hat um meinetwillen, und wie ſeine ſtete Abängſtigung um mich ſein Leben ver⸗ dunkelte, und wie ſeine Kraft und Energie dadurch abge⸗ ſchwächt wurden, daß er ſie ſtets nur einer Idee zuwandte. O daß ich dies je in's Gleiche zu bringen vermöchte! Daß ich jemals im Stande wäre, ihn wieder zu erheben, wie ich unverſchuldeter Weiſe die Urſache geweſen bin, daß es mit ihm bergab ging!“
Nie vorher hatte ich Agnes weinen ſehen. Ich hatte geſehen, wie ihr die Thränen in den Augen ſtanden, als ich neue Ehrenbezeugungen aus der Schule mit nach Hauſe gebracht hatte, und ich hatte ihre Augen naß werden ſehen, als wir das letzte Mal über ihren Vater ſprachen, und ich hatte ſie ihr mildes Antlitz zur Seite wenden ſehen, als wir von einander Abſchied nahmen; aber nie hatte ich ſie ſich ſo grämen ſehen, wie jetzt. Es machte mich dies ſo betrübt, daß ich nur in jener einfältigen Weiſe, die ſich nicht zu helfen weiß, zu ſagen vermochte:„Bitte, Agnes, weine nicht. Weine doch nicht, meine gute liebe Schweſter!“
Aber Agnes war mir, wie ich, mag ich's nun damals gewußt oder nicht gewußt haben, jetzt deutlich weiß, an Charakter und Willen ſo überlegen, daß ſie meiner Bit⸗ ten, ſich zu beruhigen, nicht lange bedurfte. Dieſe ſchöne milde Ruhe des Benehmens, die ſie in meinem Andenken ſo verſchieden ſein läßt von allen Andern, kam wieder


