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David Kopperfield. 11
geſtemmt, Agnes? Ueberleg Dir doch, was für eine Ver⸗ bindung das wahrſcheinlich abgeben wird. Du mußt mit der Sprache herausgehen. Du darfſt Deinem Vater nicht geſtatten, ſolch einen unſinnigen Schritt zu thun. Du mußt das hintertreiben, Agnes, ſo lange es noch Zeit iſt.“
Indem Agnes noch immer ihre Blicke auf mich ge⸗ richtet hielt, ſchüttelte ſie während meiner Rede ihr Haupt mit einem leiſen Lächeln über meine Wärme, und dann entgegnete ſie:
„Du entſinnſt Dich unſeres letzten Geſprächs über
Papa. Es war nicht lange darnach,— etwa zwei oder
drei Tage, als er mir die erſte Mittheilung über das machte, wovon ich Dir erzähle. Es war ein trauriger Anblick, zu ſehen, wie er zwiſchen ſeinem Wunſche, es mir als eine Sache eigner Wahl darzuſtellen, und der Unfähigkeit, mir zu verbergen, daß er dazu genöthigt ſei, kämpfte. Ich fühlte mich ſehr betrübt.“
„Genöthigt, Agnes! Wer nöthigt ihn dazu?“
„Uriah,“ erwiederte ſie nach einem kurzen Zaudern, „hat ſich dem Papa unentbehrlich zu machen gewußt. Er hat einen ſcharfen Verſtand und ein wachſames Auge. Er hat mit meiſterhaftem Scharfblick Papas Schwachheiten ausgeſpürt, ſte genährt und aus ihnen für ſich Nutzen gezogen— bis, um Alles, was ich meine, in einem Worte auszuſprechen, Trotwood, Papa ſich vorihm fürchtet.“
Sie hätte mehr ſagen können; ſie wußte oder arg⸗ wöhnte mehr, das ſah ich deutlich. Ich vermochte nicht, ihr dadurch, daß ich nach dieſem Weiteren fragte, Schmerz zu machen; denn ich begriff, daß ſie es vor mir zurück⸗ hielt, um ihren Vater zu ſchonen. Die Sache hatte ſich ſchon ſeit lange nach dieſem Punkte hin entwickelt, das fühlte ich; ja, ich konnte, wenn ich mir die Vergangenheit


