David Kopperfield. 7
Sie lächelte, wie mir ſchien, traurig und ſchüttelte ihr Haupt.
„Ja, Agnes, Du biſt mein guter Engel! Allezeit mein guter Engel.“
„Wenn ich's wirklich wäre, Trotwood,“ erwiederte ſte, „ſo wüßte ich ein Ding auf Erden, wornach ich von ganzer Seele ſtreben würde.“
Ich ſah ſie mit einem fragenden Blicke an, obwohl in mir bereits eine Vorahnung von dem aufdämmerte, was ſie meinte.
„Indem ich Dich nämlich warnen würde,“ ſagte Agnes, feſten Blicks,„vor Deinem böſen Engel.“
„Meine theure Agnes,“ begann ich, wenn Du meinſt, daß Steerforth—“
„Jawohl, Trotwood,“ entgegnete ſie.
„Dann, Angnes, thuſt Du ihm großes Unrecht. Er mein oder irgend jemandes Anderen böſer Engel! Er ſollte mir irgend etwas Anderes, als ein Führer, eine Stütze und ein Freund ſein! Meine liebe, gute Agnes! Nun ſag' mal, iſt es nicht ungerecht, und ſieht es Dir nicht ungleich, ihn nach dem zu beurtheilen, was Du jene Nacht von mir ſahſt?“
„Ich beurtheile ihn nicht nach dem, was ich in jener Nacht von Dir ſah,“ antwortete ſie ruhig.
„Nach was denn?“
„Nach mancherlei Dingen— Kleinigkeiten an ſich, die aber mir nicht als ſolche erſcheinen, wenn ſie zuſam⸗ mengeſtellt werden. Ich beurtheile ihn theilweiſe nach dem, was Du mir von ihm erzählteſt, Trotwood, und nach Deinem Charakter, und nach dem Einfluſſe, den er auf Dich hat.“
Es war immer ein Etwas in ihrer ſanften Stimme, welches eine Saite in mir anzuſchlagen ſchien, die nur
*


