6 David Kopperfield. wurden im Erdgeſchoß abgethan, während das Geſchäft des Großthuns mit vornehmen Leuten(welches dort ſehr eifrig betrieben wurde) im obern Theile des Gebäudes ſeine Räume hatte. Man wies mich in ein hübſches, aber ziemlich enges Putzzimmer, und dort ſaß Agnes und häkelte an einer Geldbörſe.
Sie ſah ſo mildruhig und gut aus, und erinnerte mich ſo deutlich an meine friſchen, in freier Luft verlebten Schultage zu Canterbury, und an den aufgedunſenen, verräucherten, albernen Lümmel, der ich an jenem Abend geweſen war, daß ich, da Niemand zugegen war, mich ganz meinen Gewiſſensbiſſen und meiner Scham überließ und— kurz und gut, mich lächerlich machte. Ich kann nicht läugnen, daß ich Thränen vergoß. Bis dieſe Stunde noch bin ich unentſchieden, ob dies bei Lichte beſehn, das Klügſte war, was ich hätte thun können, oder das Lächerlichſte.
„Wäre es irgend jemand anders geweſen, als Du, Agnes,“ ſagte ich, indem ich den Kopf abwandte,„wahr⸗ lich ich würde mir nicht halb ſo viel daraus gemacht ha⸗ ben. Aber, daß Du es ſein mußteſt, welche mich ſah! Ich hätte zuerſt lieber todt ſein mögen.“
Sie legte ihre Hand, deren Druck wie keiner andern Hand Druck war, einen Augenblick auf meinen Arm, und ein ſolches Gefühl von Freundſchaft und Troſt ſtieg in mir auf, daß ich nicht umhin konnte, dieſe Hand an meine Lippen zu führen und dankbar zu küſſen.
„Setze Dich nieder,“ ſagte Agnes liebreich,„ſei nicht ſo unglücklich, Trotwood. Wenn Du mir nicht mit Zu⸗ verſicht Dein Vertrauen ſchenken kannſt, auf wen willſt Du dann bauen?“
„Ach Agnes,“ entgegnete ich,„Du biſt mein guter Engel!“*


