David Kopperfield. 137
ihren Gang außerordentlich beeilte und erſchrocken ausſah. Ich bemerkte zu gleicher Zeit, daß ein ſchlecht gekleideter lauernder Herumſtreicher, der ein wenig zuvor ſtehen ge⸗ blieben war und uns angeſtiert habe, als wir vorbeiſchrit⸗ ten, ſo nahe hinter uns herkam, daß er beinahe an ſie anſtieß.
„Trot, mein lieber Trot!“ ächzte meine Tante in einem erſchrockenen Geflüſter, und indem ſie krampfhaft meinen Arm ergriff.„Ich weiß nicht, was ich thun ſoll.“
„Aengſtigen Sie ſich doch nicht,“ ſagte ich.„Da iſt nichts zu fürchten. Treten Sie in einen Laden, und ich will dieſen Kerl bald loswerden.“
„Nein, mein Kind!“ entgegnete ſie.„Um Alles in der Welt rede nicht mit ihm! Ich bitte, ich befehle es Dir!“
„Guter Gott, Tante,“ ſagte ich;„es iſt doch blos ein dreiſter Bettler!“
„Du weißt nicht, was er iſt!“ erwiederte meine Tante. „Du weißt nicht, wer es iſt! Du weißt nicht, was Du ſprichſt!“
Wir waren in einem leeren Thorwege ſtehen geblie⸗ ben, während dies vorging, und er war ebenfalls ſtehen geblieben. 4
„Sieh' ihn nicht an!“ rief meine Tante ängſtlich, als ich entrüſtet den Kopf nach ihm umwandte;„ſondern hol' mir eine Kutſche, mein guter Junge, und warte auf mich am Kirchhofe von St. Paul.“
„Auf Sie warten?“ wiederholte ich.
„Ja,“ entgegnete meine Tante heftig;„ich muß allein gehen. Ich muß mit ihm gehen.“
„Mit ihm, Tante? Mit dieſem Menſchen?“


