David Kopperfield.— 19
die Erinnerung an das, was ich in jener Nacht, wo Mr. Maldon abreiſte, geſehen, zum erſten Male in einem Lichte wiederzuerſchienen, in welchem ich ſie nie angeſehen, und ich fühlte mich unruhig. Die unſchuldige Schönheit ihres Geſichts war mir nicht mehr ſo unſchuldig, als ſte geweſen war, ich ſetzte Mißtrauen in die natürliche Anmuth und Liebenswürdigkeit ihres Benehmens, und als ich auf Agnes an ihrer Seite blickte und daran dachte, wie gut und treu Agnes ſei, ſo erhob ſich in mir der Verdacht, daß es eine übel gewählte Freundſchaft ſei.
Sie war indeß ſo glücklich in dieſer Freundſchaft, und die Andere war ebenfalls ſo glücklich, daß uns in ihrer Geſellſchaft der Abend dabinſchwand, als ob er nur eine Stunde wäre. Er ſchloß übrigens mit einem Vorfall, deſſen ich mich recht wohl erinnere. Sie nahmen Abſchied von einander, und Agnes wollte ſie umarmen und küſſen, als Mr. Wickfield wie zufällig dazwiſchen trat und Agnes ſchnell wegführte. Und dann ſah ich, wie wenn all die da⸗ zwiſchen liegende Zeit weggezaubert ſei, und ich noch in jener Nacht des Abſchieds am Thorwege ſtünde, auf Mrs. Strongs Geſicht, als ſie ihm gegenüberſtand, den Aus⸗ druck, den es in jener Nacht trug.
Ich kann nicht ſagen, was dies für eine Wirkung auf mich ausübte, oder warum ich's, wenn ich ſpäter an ſie dachte, unmöglich fand, ſie mir ohne dieſen Blick vorzu⸗ ſtellen und mich ihres Geſichtes in ſeiner unſchuldigen Liebenswürdigkeit zu erinnern. Dieſer Blick ſuchte mich, als ich nach Hauſe kam, wie ein Geſpenſt heim. Ich ſchien des Doctors Haus mit einer dunkeln darüber lauernden Wolke verlaſſen zu haben. Die Ehrfurcht, die ich vor ſeinem grauen Haupte fühlte, war mit Bedauern über ſein treuherziges Zutrauen auf die, welche ihn verriethen


