154 David Kopperfield.
einlöſen können. Die Folge wird mein Untergang ſein. Die Feſſel droht ſchon, und der Baum muß fallen!
Laſſen Sie ſich den unglücklichen Mann, der in dieſen Zeilen zu Ihnen redet, mein theurer Kopperfield, das ganze Leben hindurch eine Warnung ſein. Er ſchreibt Ihnen in dieſer Abſicht und dieſer Hoffnung. Könnte er ſich für ſo nützlich halten, ſo möchte vielleicht ein Schimmer vom Lichte des Tages in den freudenloſen Kerker des ihm noch übrig bleibenden Daſeins fallen— obwohl gegen⸗ wärtig ein langes Leben für ihn— um gelind zu ſprechen— außerordentlich zweifelhaft iſt.
Dies iſt die letzte Mittheilung, mein theurer Kopper⸗ field, welche Sie empfangen von dem
hinausgeſtoßenen Bettler Wilkins Micawber.“
Ich war über den Inhalt dieſes herzzerreißenden Briefs ſo erſchrocken, daß ich augenblicklich nach dem kleinen Gaſthauſe rannte, um es auf meinem Wege zu Doctor Strongs Schule zu berühren und den Verſuch zu machen, Mr. Micawber mit einem theilnehmenden Worte aufzurichten. Aber auf dem halben Wege dahin begeg⸗ nete ich der Londoner Kutſche mit Mr. und Mrs. Micaw⸗ ber hinten darauf. Mr. Micawber, das leibhaftige Bild eines Stillvergnügten, lächelte über die Unterhaltung ſeiner Frau, aß Wallnüſſe aus einem Papierſacke und hatte in ſeiner Bruſttaſche eine Flaſche ſtecken. Da ſie mich nicht ſahen, ſo hielt ich's, bei Lichte betrachtet, für's Beſte, ſie auch nicht zu ſehen, und ſo wandte ich mich, einen großen Stein vom Herzen los, in eine Nebengaſſe, welche der nächſte Weg zur Schule war, und fühlte mich nach dem Allen ſehr erleichtert, daß ſie fort waren; ob⸗ wohl ich ſte trotz alledem, immer noch ſehr lieb hatte.


