152 David Kopperfield.
Gefühle zu verwunden, oder wenigſtens die von Mrs. Mi⸗ cawber, die allerdings ſehr empfindlich war; aber ich war doch in Beſorgniß deshalb und dachte ſpäter ſehr oft daran.
Wir hatten ein wunderhübſches kleines Gaſtmahl. Ein ganz herrliches Fiſchgericht, das Nierenſtück einer gebratenen Kalbslende, Bratwurſt, ein Rebhuhn und einen Pudding. Es gab Wein und ſtarkes Ale, und nach dem Eſſen machte uns Mrs. Micawber eine Bowle heißen Punſch mit eigner Hand.
Mr. Micawber war auf außergewöhnlich heiterer Laune. Ich ſah ihn nie als einen ſo guten Geſellſchafter. Er trank Punſch, daß ihm ſein Antlitz erglänzte, als ob es über und über lakirt wäre. Er ſprach ſich in ſehr luſti⸗ gen Ausdrücken über die Stadt aus und brachte einen Trinkſpruch auf ihr Gedeihen aus, indem er bemerkte, daß man es Mrs. Micawber und ihm daſelbſt ſehr bequem und behaglich gemacht, und daß er nie die angenehmen Stunden vergeſſen werde, die ſie in Canterbury verlebt. Dann brachte er mein Wohl aus, und er und Mrs. Mi⸗ cawber und ich ließen die vergangnen Zeiten, wo wir mit einander bekannt geworden, die Revue paſſiren, in deren Verlauf wir die einzelnen Stücke des Hausraths nochmals in Gedanken verkauften. Dann brachte ich ein Hoch auf Mrs. Micawber aus, oder ſagte wenigſtens beſcheidentlich: „Wenn Sie mir erlauben wollen, Mrs. Micawber, ſo werde ich nun das Vergnügen haben, auf Ihre Geſund⸗ heit zu trinken.“ Worauf Mr. Micawber eine Lobrede auf Mrs. Micawbers Charakter zum Beſten gab und ſagte, daß ſie ſtets ſeine Führerin, Beratherin und Freundin geweſen, und daß er mir für die Zeit meines Lebens, wo ich zum Heirathen kommen würde, empfehle, ebenſo ein


