142 David Kopperfield.
und das Elend, daß er ſoviel zu ſich nahm; bald Dies, bald Das, bald Alles auf einmal; und die ganze Zeit über ließ ich, ohne daß es geſchienen, als ob ich zuviel ſpräche oder überhaupt mehr thäte, als daß ich ſie, aus Furcht, ſte möchten von dem Bewußtſein ihrer Niedrigkeit und der Ehre meiner Geſellſchaft überwältigt werden, dann und wann ermuthigte, in einem fort mir bald dies bald das entfallen, das ich nicht nöthig hatte, mir entfallen zu laſſen, und jedes Mal ſah ich die Wirkung davon an dem Zwinkern von Uriahs röthlich gefärbten Naſenlöchern.
Es war mir ein wenig unbehaglich zu Muthe ge⸗ worden, und ich fing an, mich aus der Geſellſchaft wegzu⸗ wünſchen, als eine Geſtalt die Straße herabkam und an der Thür vorbeiging— ſie ſtand nämlich offen, um dem Zimmer, welches bei dem für die Jahreszeit drückend hei⸗ ßen Wetter ſehr warm war, friſche Luft zuzuführen— aber wieder umkehrte, hereinguckte, herbeikam und laut ausrief:„Kopperfield! Iſt's möglich!“
Es war Mr. Micawber! Er war's mit ſeiner Lor⸗ gnette, ſeinem Spazierſtocke, ſeinen Vatermördern, ſeiner vornehmen Miene, dem herablaſſenden Tonfall in ſeiner Stimme, kurz Mr. Micawber mit allem Zubehör!
„Mein theurer Kopperfield!“ rief Mr. Micawber, indem er ſeine Hand ausſtreckte,„das iſt wahrlich ein Zuſammentreffen, das als ein ſolches betrachtet werden muß, welches uns die Unbeſtändigkeit und Ungewißheit aller menſchlichen Dinge zu Gemuthe— um kurz zu ſein, ein außerordentlich wunderſames Zuſammentreffen. Wandle ich da die Straße hinab, denke über die Mög⸗ lichkeit nach, daß ſich irgend etwas zum Beſten wenden könnte,— was gegenwärtig allerdings mein heißer Wunſch iſt— ſiehe da, plötzlich treff' ich einen jungen,


