10 David Kopperfield.
Am ganzen Leibe ſteif und mit müden Füßen erwachte ich am Morgen, und ich gerieth völlig in Verwirrung von dem Wirbeln der Trommeln und dem Vorbeimar⸗ ſchiren der Truppen, welche mir von allen Seiten den
Weg zu verſperren ſchienen, als ich durch die lange ſchmale
Straße in die Stadt hinabging. Ich fühlte, daß ich dieſen Tag nur eine ſehr kleine Strecke gehen könne, wenn ich mir nur irgend etwas Kraft zur Erreichung des Ziel⸗
punktes meiner Reiſe aufſparen wollte, und ſo entſchloß
ich mich, den Verkauf meiner Jacke zu meinem erſten Geſchäfte zu machen. In Folge dieſes Beſchluſſes zog ich die Jacke aus, um zu lernen, wie ich ohne ſie fortkäme, nahm ſie unter den Arm und machte mich auf den Weg, um die verſchiedenen Trödelbuden zu inſpiciren.
Es war ein recht paſſender Platz, um eine Jacke dort zu verkaufen; denn die Händler mit Kleidern aus der zweiten Hand waren zahlreich und lagen an ihren Laden⸗ thüren, ſo zu ſagen, auf der Lauer nach Kunden. Da jedoch die Meiſten von ihnen unter ihren Vorräthen eine oder ein paar Officiersuniformen mit Epauletten und allem Zubehör aufgehängt hatten, ließ ich mich durch die koſtbare Beſchaffenheit ihrer Handelsartikel einſchüchtern und ging lange Zeit hin und her, ohne irgend Einem meinen Handel anzutragen.
Dieſe meine Beſcheidenheit machte mich auf die Trödel⸗ laden für die Matroſen und auf ſolche Geſchäfte, wie Mr. Dolloby hielt, aufmerkſam, welche ich denen der ordent⸗ lichen Händler vorzog. Zuletzt fand ich einen, der meiner Anſicht nach etwas zu verſprechen ſchien, im Winkel eines ſchmutzigen Gäßchens, welches in einen Zaun auslief, der von Brennneſſeln ſtrotzte. Auf dem Staket flatterten einige abgedankte Matroſenanzüge, mit welchen der Laden über⸗


