150 David Kopperfield.
braten verſpeiſten, umgeben von der ſchlafenden kleinen Familie.
„Bei dieſer Gelegenheit,“ ſagte Mrs. Micawber, „will ich mit Ihnen, Musje Kopperfield, in einem zweiten Gläschen Flip*),“ wir hatten nämlich ſchon eins getrun⸗ ken,„auf das Andenken von Papa und Mama anſtoßen.“
„Sind ſie geſtorben?“ fragte ich, nachdem ich den Toaſt in einem Weinglaſe getrunken.
„Meine Mama ſchied aus dieſem Leben,“ ſagte Mrs. Micawber,„bevor Mr. Micawber in dieſe bedrängten Umſtände gerieth, oder wenigſtens, bevor ſie drückend wurden. Mein Papa lebte ſo lange, daß er meinen Mann mehrmals durch ſeine Bürgſchaft vom Schuldgefängniſſe befreite, dann aber ſtarb er, betrauert von einem zahl⸗ reichen Verwandtenkreiſe.“
Mrs. Micawber ſchüttelte hier den Kopf und ließ eine Thräne kindlicher Liebe auf den Zwilling fallen, der zu⸗ fällig bei der Hand war.
Da ich kaum auf eine günſtigere Gelegenheit zu einer Frage hoffen konnte, die mich nahe anging, ſo ſagte ich zu Mrs. Micawber:
„Ach, darf ich Sie wohl fragen, Madame, was Sie und Mr. Micawber nun zu thun gedenken, wo Mr. Mi⸗ cawber aus ſeiner Bedrängniß erlöſt und in Freiheit ge⸗ ſetzt werden wird? Haben Sie ſchon einen Entſchluß gefaßt?“
„Meine Familie,“ verſetzte Mrs. Micawber, welche dieſe beiden Woͤrte nie ausſprach, ohne eine wichtige Miene anzunehmen, obſchon ich nie zu entdecken ver⸗ mochte, wer unter dieſen Begriff gehörte,„meine Familie
*) Ein Getränk aus Waſſer, Branntwein und Zucker.


