Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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David Kopperfield. 9

Klatſche an Traddles, und wir alle fühlten, daß dies das höchſte Lob ſei. Ich meinerſeits hätte, obwohl ich bei weitem nicht ſo tapfer und noch lange nicht ſo alt als Traddles war, eine gute Tracht übler Behandlung auf mich nehmen können, um ſolch einen Preis damit zu gewinnen.

Zu ſehen, wie Steerforth vor uns her zur Kirche ging, Arm in Arm mit Miß Creakle, war eines von den großartigſten Schauſpielen meines Lebens. Nicht daß ich Miß Creakle mit der kleinen Emilie für gleich gehalten hätte im Punkte der Schönheit; auch liebte ich ſie nicht (weil ich mir's nämlich nicht getraute); aber ich hielt ſie für eine junge Dame von außergewöhnlich anziehendem Benehmen und im Punkte der feinen Lebensart für unüber⸗ trefflich. Wenn Steerforth, in weißen Beinkleidern, ihren Sonnenſchirm trug, ſo fühlte ich mich ſtolz, mich zu ſeinen Bekannten zählen zu dürfen, und glaubte, daß ſie ihn ohne alle Wahl und Frage vom Grunde des Herzens anbeten müſſe. Mr. Sharp und Mr. Mell waren ein paar achtungswerthe Perſonen in meinen Augen; aber Steerforth war gegen ſite, was die Sonne gegen zwei Sterne iſt.

Steerforth fuhr fort, meinen Gönner und Beſchützer zu machen und bewies ſich mir als ein ſehr nützlicher Freund, da niemand es wagte, jemand zu beleidigen, den er mit ſeiner Gunſt beehrte. Er konnte mich gegen Mr. Creakle, der ſehr ſtreng mit mir verfuhr, nicht vertheidi⸗ gen; wenigſtens verſuchte er nichts der Art; aber war ich ein Mal übler als gewöhnlich behandelt worden, ſo ſagte er mir immer, daß mir ein wenig von ſeinem Muthe fehle, und daß er ſich dies nicht hätte gefallen laſſen;