132 David Kopperfield.
Ich war ſo matt und müde, daß die Idee, noch ſechs Meilen aushalten zu müſſen, zu viel für mich war. Ich nahm mir ein Herz, erzählte ihm, wie ich die ganze Nacht nicht einen Biſſen genoſſen habe, und ſagte ihm, daß er mich ſehr verpflichten werde, wenn er mir die Erlaubniß geben wollte, mir etwas zu eſſen zu kaufen. Er ſchien hierüber ſehr verwundert— ich ſehe ihn noch ſtehen blei⸗ ben und mich anſtarren— aber nachdem er ſich einige Augenblicke beſonnen, ſagte er, er wünſche eine alte Per⸗ ſon nicht weit davon zu beſuchen, und das Beſte für mich werde ſein, mir etwas Brot oder was ich ſonſt Paſſendes gern haben möchte, zu kaufen und mir davon ein Früh⸗ ſtück in ihrem Hauſe zu bereiten, wo wir auch Milch dazu bekommen könnten.
So traten wir an das Fenſter eines Bäckers, und nachdent ich eine lange Reihe von Vorſchlägen im Hin⸗ blicke auf alle die verſchiedenen eßbaren Gegenſtände im Laden gemacht und er dieſelben einen nach dem andern verworfen hatte, entſchieden wir uns zu Gunſten eines hübſchen kleinen braunen Brotes, welches mich drei Pence koſtete. Dann beſorgten wir uns in einem Material⸗ waarenladen ein Ei und eine Schnitte Schinken mit einem Speckſtreifen dran, wobei mir von dem zweiten funkeln⸗ den Schilling noch kleines Geld übrig blieb, ſo daß ich einen guten Handel gemacht zu haben meinte und London für eine Stadt hielt, in der ſich's recht wohlfeil leben ließe. Nachdem wir dieſe Vorräthe eingeſteckt, gingen wir durch großen Lärm und ein Menſchengewühl, welches meinen müden Kopf über alle Beſchreibung wirr und wüſt machte, nun über eine Brücke, welches ohne Zweifel Lon⸗ don Bridge war(mir iſts in der That ſo, als ob er ſie ſo genannt, aber ich war halb im Schlafe), bis wir an


