12 David Kopperfield.
gewaltiger Bewegung ſich herumwarfen, indem ſie ihre wilden Arme bald zum Himmel hinauf reckten, bald herab ſinken ließen, gleich als ob ihre eben gethanen Bekenntniſſe zu gottloſe Dinge enthielten, um ihnen den Frieden der Seele zu laſſen: ſo wurden mehrere im Wetter verrottete und zerriſſene Krähenneſter, die in das höhere Gezweig hineingebaut waren, gleich Wracks von Schiffen auf einer ſtürmiſchen See, herumgeſchleudert.
„Wo ſind die Vögel hin?“ fragte Miß Betſey.
„Die— was?“ Die Gedanken meiner Mutter hatten ſich während deß mit etwas Anderem beſchäftigt.
„Die Krähen— was iſt aus ihnen geworden?“ fragte Miß Betſey.—
„Es ſind gar keine da geweſen, ſeit wir hier leben,“ ſagte meine Mutter.„Wir dachten,— Mr. Kopperfield dachte— das ganze Beſitzthum wäre ein großes Krähen⸗ lager. Aber die Neſter waren ſehr alte, und die Vögel hatten ſie ſchon ſeit langer Zeit verlaſſen.“
„Ja, da ſehe ich den ganzen David Kopperfield. Das iſt David Kopperfield, wie er leibt und lebt. Heißt ein Haus ein Krähenneſt, während nicht eine einzige Krähe dabei iſt, und nimmt in gutem Glauben Vögel an, wo er Neſter ſieht!“
„Mein Mann,“ entgegnete meine Mutter,„iſt todt, und wenn Sie es wagen, in meiner Gegenwart unfreund⸗ lich von ihm zu ſprechen—“
Meine arme kleine Mutter hatte vermuthlich den augenblicklichen Gedanken, einen Angriff mit Hieb⸗ und Schußwaffen auf meine Tante zu machen, welche ihrer aber leicht mit Einer Hand Herr geworden ſein würde, ſelbſt wenn meine Mutter in weit geeigneterem Zuſtande für ſolch' einen Zuſammenſtoß geweſen wäre, als ſie dieſen Abend in der That war. Die Luſt verging ihr aber, ſie


