44
Fünftes Kapitel.
Die Norne klag' an, deren düſtere Looſe
Der Menſch nicht verrückt; denn vom Himmel fällt
So Gutes wie Schlimmes dem Sohne der Welt. egnér.
„Geb' mir die Spitzenhaube mit dem violetten Bande, liebe Selma, und Du Ebba„ hol' mir meinen ſeidnen Mantel. Sieh' nach, Kind, ob ihm die Motten keinen Schaden gethan haben, ſeit er nicht mehr aus dem Ka⸗ ſten gekommen iſt, und leg ihn auf dem Rücken in eine Falte, damit man die großen gelben Flecken nicht be⸗ merkt.“
Dieſe Befehle kamen aus dem Munde der alten Baronin Silberſparre. Sie ſaß in ihrem Schlafzimmer, vor einer etwas ſonderbar ausgeſtatteten Toilette, und heftete ihr graugemiſchtes Haar auf eine Weiſe zurück, daß es nicht allzuſehr gegen die braunen Seitenlocken abſtechen möchte.
Fräulein Charlotte Antoinette ſaß in einer Ecke und las in Harms Predigten.
„Liebe Schweſter,“ begann die Baronin und ſchüͤt⸗ telte ein wenig den Kopf, mhaſt Du denn wirklich im Sinne heute nicht mit uns zur Kirche zu gehen? Karl hat ja, auf meine ausdrückliche Bitte, den Wagen aus⸗ beſſern laſſen, die Mädchen haben den zerriſſnen Ueberzug geflickt und die Pferde laufen ſchon zwei Tage auf der Kuhweide, um ein beſſres und volleres Anſehen zu unſrer Fahrt zu gewinnen. Wir können uns alſo mit allem Anſtande und ziemlich unſerm Range gemäß zeigen, be⸗ ſonvers da Magnusſon ſeinen alten Mantel herausſtaffirt und die alte Borte an ſeinem Hut geputzt hat, ſo daß er auf ſeinem hohen Bock ganz brav und reputirlich ausſieht; auch hat Ebba, die immer Etwas weiß, mit
—
—ü


