Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
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Still und ergeben hörte ſie die Vorwürfe ihres er⸗ zuͤrnten Gatten an, der heftig im Zimmer auf und ab ging. Nur eine hie und da über die Wange rinnende Thräne verrieth ihre gräßliche Seelenangſt— ihr Geſicht war todtenbleich.

Als Bundler endlich ruhiger wurde, traf ſein Blick die tief gebeugte Karoline und ein ſcharfer Stich ging ihm dabei durch ſein warmes, biederes Herz, denn es that ihm innig leid, daß ſeine Heftigkeit ihn veranlaßt hatte, ihr wehe zu thun.

„Na, na! Du mußt dieß nicht ſo ſchlimm aufneh⸗ men! Du weißt wohl, die Männer ſind nicht allezeit Herr über ſich. Aber es iſt doch auf Ehre kein Spaß, und da die ganze Zeit Alles in beſter Reihe war, ſo begreife ich gar nicht, wie Du das alte Zeug aufrühren mochteſt. Du weißt, daß der Burſche Feuer in den Adern hat, und konnteſt Dir denken, daß es da ſchief gehen müſſe.“

„Es iſt gar nicht ſo unbedeutend, wie Du Dir ein⸗ bildeſt, mein Freund. Hermann ſſieht recht wohl, daß ihn Hulda nicht liebt, und daß eines andern Mannes Bild in ihrem Herzen lebt.“

„Ach, den Teufel auch! Sie hat wohl mehr Verſtand, als daß ſie wegen einer Kinderliebſchaft von ein paar Tagen in alle Ewigkeit den Kopf hängt. Sie war ja damals noch keine ſiebenzehn Jahre alt. Außerdem möchte ich denn doch auch den Mann ſehen, der ſich mit Her⸗ mann meſſen könnte. Iſt nicht eine Anmuth, eine Würde, kurzum ein Weſen in dem Jungen, daß man in der That ſtolz darauf ſeyn kann, ihn Schwiegerſohn zu nennen? Und dieß ſoll er auch werden! Karoline, hörſt Du?— das muß er werden!“

„Ja, ja, liebſter Mann, Gott gebe, es wäre ſchon ſo weit; glaubſt Du denn aber, daß er das Mädchen wird haben wollen, wenn bei der Hand nicht auch das Herz iſt?

„Pah! das iſt dabei, ſag' ich. Du haſt eine ganz beſondere Liebhaberei für den Widerſpruch, Karoline, ich

Die Milchbrüder. II. 3