Teil eines Werkes 
2. Bd. (1862)
Entstehung
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Ich kann mir nicht erklären, ſagte Eſtella nach kurzer Pauſe,daß Sie nach einer längeren Trennung ſo unver⸗ nünftig ſein könnten. Ich habe Ihre Kränkung und deren Urſache nie vergeſſen. Ich habe mich Ihnen oder Ihrer Unterweiſung niemals ungetreu bewieſen. Ich wüßte nicht, daß ich mir irgend eine Schwäche vorwerfen könnte.

Wäre es Schwäche, meine Liebe zu erwiedern? Ja, ja ſie würde es ſo benennen! ſagte Fräulein Ha⸗ visham.

Allmälig, fuhr Eſtella nach abermaliger Pauſe fort, fällt es mir ein, wie dieſer Vorfall zu erklären ſein mag. Hätten Sie Ihre adoptirte Tochter in den dunkeln Gren⸗ zen dieſer Zimmer erzogen und ihr niemals das Sonnen⸗ licht, bei welchem ſie nie Ihr Antlitz geſehen, zu ſehen ge⸗ geben hätten Sie das gethan, und dann zu einem be⸗ ſondern Zwecke den Begriff vom Sonnenlichte gegeben würden Sie dann erzürnt und getäuſcht ſein?

Fräulein Havisham ſtöhnte leiſe, wiegte ſich im Stuhle hin und her und ſagte nichts.

Oder was noch mehr trifft hätten Sie ihr mit aller Energie und Kraft vom Dämmern ihres Verſtandes an erzählt, es gebe ein Sonnenlicht, doch ſei es ihr Feind, ſie möge ſich ewig von ihm abwenden, denn es habe Sie verdorben und werde auch ihr ſchädlich ſein wenn Sie das gethan und dann auf einmal verlangt, ſie ſolle ſich dem Sonnenlichte zuwenden und ſie hätte es nicht ge⸗ konnt würden Sie dann erzürnt und getäuſcht ſein?

Fräulein Havisham hörte zu(ich konnte ihr Geſicht nicht ſehen) und ſchwieg noch immer ſtill.

Ich muß genommen werden, wie ich gemacht bin.