eigenſinniger, wahrheitliebender, hochſinniger, mit Vor⸗ urtheilen erfüllter, durch und durch unvernünftiger Mann.
Sir Leiceſter iſt volle zwanzig Jahre älter, als my Lady. Er wird fünfundſechzig nie wiederſehen, noch auch vielleicht ſechsundſechzig, und ebenſo wenig ſiebenundſechzig. Bisweilen hat er einen kleinen Gichtanfall; auch geht er etwas ſteif. Er ſtellt Etwas vor mit ſeinem lichtgrauen Haare und ſeinem ditto Backenbarte, ſeinem feinen Buſen⸗ ſtreifen, ſeiner reinen 4 blauen, ſtets zugeknöpften Rocke. Die Knöpfe an letzte⸗ rem zeichnen ſich insbeſondere dadurch aus, daß ſie ſtets glänzen und funkeln. Er iſt bei jeder Gelegenheit gegen my Lady überaus höflich; dabei iſt er ceremoniös und vornehm; und was die perſönlichen Reize ſeiner Ge⸗ mahlin betrifft, ſo ſchätzt er dieſelben auf's Höchſte. Seine Galanterie gegen my Lady, die ſich nie verändert hat, ſeitdem er ihr zum erſten Male den Hof gemacht, iſt der einzige kleine romantiſche Anflug, den man an ihm bemerkt.
Und in der That hat er ſie aus Liebe geheirathet. Auch flüſtert man ſich immer noch zu, daß ſie nicht ein⸗ mal von Familie war. Dem ſei nun aber, wie ihm wolle, ſo Viel iſt gewiß, daß Sir Leiceſter ſo viel Familie hatte, daß er vielleicht genug hatte und keine weitere brauchte. Sie aber hatte Schönheit, Stolz, Ehrgeiz, inſolente Entſchloſſenheit und Verſtand genug, um eine anze Legion feiner Ladies auszuſtatten. Bald geſellte ſch dazu Reichthum und Stand, und alle dieſe Dinge zuſammengenommen hoben ſie empor; und ſeit Jahren iſt nun my Lady Dedlock im Centrum der faſhionablen Be⸗ richte und auf der Spitze des faſhionablen Baums geſtanden.
Wie Alexander weinte, als er keine Welten mehr zu erobern hatte, weiß Jedermann,— oder könnte es wenigſtens wiſſen, da die Sache, der Himmel weiß es, ſchon oft genug erwähnt worden iſt. Nachdem my Lady Dedlock ihre Welt erobert hatte, verſank ſie nicht in eine
ſchneeweißen Weſte und ſeinwmmn


